MTB Rahmen aus hochfestem Luftfahrtaluminium

Hallo Leute,

hiermit verkünde ich die Außerbetriebnahme meines 2. Rahmens. Das mag sich jetzt erstmal doof anhören und ein wenig Herzschmerz ist da auch dabei, aber es gibt einige Gründe für diese Entscheidung. Dazu aber später mehr. Wie man hier lesen kann, habe ich seit der Inbetriebnahme den einen oder anderen Rückschlag hinnehmen müssen und daher möchte ich diesen Beitrag mit den Erfolgen des Rahmens beginnen. Ähnlich wie die Verlesung von Guten Taten bei einer Beerdigung. Allerdings ist das nicht ganz so traurig, denn ich hatte eine Menge Spaß mit dem Teil und, so möchte ich meinen, auch einigen Erfolg.
Die Platzierungen, die ich als Fahrradanfänger auf diversen Wettkämpen damit erreichte, überraschten mich alle. Jemand der mit 43 anfing Rad zu fahren wird bis zu seinem Lebensende ein Anfänger bleiben. Jedes einzelne Mal musste ich erleben, wie mir meine Mitstreiter durchweg fahrtechnisch überlegen waren. Trotzdem behauptete ich mich als "alter Knacker" doch recht gut und ich möchte an dieser Stelle alle "alten Knacker" dazu anstiften sich hier alles zuzutrauen.
Im Sommer nahm ich an einen MTB-Bergrennen teil, welches hier bei uns auf den höchsten Gipfel führte. Dabei erreichte ich mit dem Fahrrad einen für mich sensationellen 3.Platz in der Gesamtwertung. Dabei fehlten mir bei etwa 40 min Rennzeit nur 2 Minuten auf den Sieger und das war auch nicht irgendwer. Den netten Kerl findet man im Internet häufig auf dem Treppchen stehend und in der deutschen MTB Szene ist der gut bekannt. Auch bei dem Zweiten handelte sich um einen lokalen Spitzensportler. Und ich, das fand ich am coolsten, war mit meinen 49 Lebensjahren auch noch älter als die beiden zusammengerechnet.
Für so einen "Earl Grey" ist das natürlich eine Mordssache, die wahrscheinlich in diesem Leben nicht mehr vorkommen wird. Da hat mich das Bike, welches mitunter als "Oldtimer" verkannt wird irgendwie auch hingebracht und sowas ist einiges wert.
Bei einem anderen MTB-3h-Rennen hier im Odenwald war auch nur einer vor mir, der älter war als ich.
Da konnten gefühlt alles besser fahren als ich, trotzdem reichte es für den 7. Platz in meiner Altersklasse, wobei das echt hart ist, wenn da Leute dazu gehören, die mehr als 10 Jahre jünger sind.
Die ganz jungen High-Performer der vorderen Plätze schütteten auf der "After-Race-Party" dann ihre pinkfarbenen Wunderpülverchen in ihre Plastikflaschen, während wir älteren Herren uns schnurstracks am Bierstand trafen. Hier feierten wir unseren Generationsvorteil feuchtfröhlich und ausgiebig und lästerten über die Trinkgebaren jener, die John-Lennon und Kurt-Cobain nur aus dem Internet kennen.
Dazu möchte ich auch die schönen, langen Radabenteuer nicht missen, die ich mit dem Bock erleben durfte. Lassen wir mal die KOMs, für meinen Strava-Aktivitäten schäme ich mich. Damit sollte ein Mann meiner Generation, der sich gerne an ein Leben ohne Smartphones erinnert, nicht hausieren.
Ich genoss viele Kilometer mit meinem Blechesel, so sehr, dass dies nicht das Ende ist.

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Das Rad ist wieder komplett zerlegt und alle Komponenten wurden eingelagert.
Es zeigten sich weiter Ermüdungsspuren und wie schon erwähnt ist mir der Rahmen im Wiegetritt auch zu weich. Eine Reparatur, bzw. Aussteifung käme beim Arbeitsaufwand einem Neubau nahe und da ich ohnehin den Kopf voller Verbesserungen haben, beschloss ich nun hier abzubiegen.
Und den Keller voller Fahrräder zu stellen, wie ein Museum ist nicht so mein Ding.

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Hier bahnt sich was an, es ist zwar unkritisch, aber diese Stelle müsste so oder so anders werden.
Die Außenbleche waren ohnehin etwas dünn, ein weiterer Grund für die "geringe" Steifigkeit und das werde ich künftig anders machen.
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Wer genau guckt sieht auch den Ermüdungsriss an der noch nicht reparierten Seite. Er kam nur wenig später. Hier muss das anders gelöst werden.
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Die kleinen Niete waren nach der entsprechenden Kilometerleistung ebenfalls ermüdet und mussten durch Schrauben ersetzt werden. Dazu ist die Verschraubung des Sattels mehr als nervig, man kommt schlicht besch...en dran. Das wird mal ganz anders gemacht.
Oben drauf kommt eine ganze Liste Verbesserungen, die ich über die vergangenen 2 Jahre sammelte.
In diesem Sinne lade ich Euch ein dem Aufbau des dritten Rahmens hier zu verfolgen.

Grüße

Thomas
 
Na dann mal los,

Über die Weihnachtsfeiertage gedachte ich den neuen Rahmen so weit an den Start zu bringen, dass es an Sylvester, beim erklären der Vorsätze für das kommende Jahr, keine Versäumnisse mehr gibt. Außerdem ist das ja auch so eine Art Sucht, wenn man da Stück für Stück seinem Ziel näher kommt.
Los geht es, wie üblich, mit dem Steuerrohr. Diese möchte ich nun ebenfalls in Aluminium ausführen. Die Problematik besteht in der Krafteinleitung der recht hohen Kräfte aus der Gabel, in den Rahmen. Hier traue ich mich inzwischen einen anderen Weg zu gehen. Ich möchte hier mit sehr starken Beschlägen die Kräfte in das "Ober-Profil" und das "Unter-Profil" leiten. Die Hauptlast wird ein großes Knotenblech tragen, ähnlich wie es beim zweiten Rahmen schon zum Einsatz kam.

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Mit einer Lochsäge schneide ich ein Stück 7075 entsprechend vor. Das ging viel besser und deutlich schneller als ich das zunächst annahm.

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Auf meiner Kreissäge war ich nur 3 Minuten später an diesem Punkt.
Ich weiß, sowas kann man bei einigen Dienstleitern im Netz mittels Zeichnung auch kriegen und mit einer Fräse geht das ebenfalls...aber ich feiere hier mal das Handwerk. "Old-School" und traditionell.

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Dann etwas Sägen und etwas mehr Feilen...:)
Ich arbeite hier ohne Zeichnung und ohne Messschieber. Es geht darum einen schönen Übergang zu dem flachen Teil herauszuarbeiten. So über den Daumen wird das mal ein 5er Radius.

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Und natürlich benötige ich zwei Beschläge. Zu den beiden Stahlprofilen komme ich noch.

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Der untere Beschlag braucht zusätzlich einen kleinen Winkel, also spannte ich ihn folgendermaßen ein und arbeitete mit einem Rohr gleichen Durchmessers, welches hinten im Schraubstock ebenfalls geführt wird, die Form heraus.

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Schön die Abstände einhalten und die notwendige Anzahl Niete in der Fläche
unterbringen. Etwas gebogen werden musste er auch.

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Geil, 30 Gramm hatte ich jeweils abgeschätzt. Dabei sind die hinteren Fahnen, hier rechts im Bild, sogar noch etwas zu dick. Dünner als 3mm habe ich mich auf der Kreissäge nicht getraut.
Da gibt es doch solche T-Shirts mit dem Aufdruck "Ich bin der Motor".
Ich möchte eines haben mit: "Ich bin der 3D-Drucker". 😉

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Das Schweifen des Unter-Profils. Das bleibt bei diesem Rahmen weitgehend gerade um die Trittsteifigkeit zu erhöhen. Erleichterungen um die Nietlöcher herum wird es auch keine geben, weil ich das Material genau hier brauche.
Dieser Prozess ist extrem feinfühlig, da muss man beide Flansche ganz genau gleich bearbeiten und immer wieder kontrollieren.

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Passt, sitzt und hat keine Luft.

Unten kommt dann der Anschluss zu dem Tretlager-Rohr hin. Dieses möchte ich auch dieses Mal wieder aus Stahl bauen. Mir ist in den letzten zwei Jahren einfach keine vernünftige Lösung in Alu eingefallen.
Leider kommt ein Beschlag "wie oben" nicht in Frage. Die Möglichkeit ein entsprechendes Knotenblech zu ergänzen sind einfach nicht gegeben. Dazu sind die Kräfte an dieser Stelle wirklich hoch. Ein wenig schöner sind dann auch die Pressfit-Oberflächen in Stahl.

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Anheften der ausgerichteten Struktur. Mit der Alufolie und dem Backpapier verhindere ich eine Schädigung des Unter-Profils. Die jeweilige Stärke der Folien ist zu vernachlässigen.

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Das ist tatsächlich gerade noch mal gut gegangen. 😜

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Entsprechend ausgebaut lässt sich das fixierte Teil wunderbar schweißen. Das coole ist, man kommt von beiden Seiten so prima heran. Das wird sehr sicher, was die Materialermüdung angeht.
Für MIG-MAG ist das Ergebnis durchaus akzeptabel. Ich habe auch ein WIG-Schweißgerät, aber gut eingestellt geht das mit MIG-MAG ganz genau so gut, besonders wenn hinterher sowieso noch geschliffen wird.

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So sollte das aussehen, sonst hält es nicht. Das Material muss vollständig durchgeschweißt sein.
Dazu muss man den Schweißstrom recht genau treffen und vorsichtig mit dem Hitzeeintrag umgehen.
Nur wenig mehr Zorn brennt da Löcher rein. Das kann man aber vorher an einem Probestück gut üben.
Trotzdem ist das immer eine heiße Kiste, denn ein Schaden wirft einen so Stunden oder Tage zurück.

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Und so sieht das dann "halbfertig" aus. Gaaanz vorsichtig arbeitete ich mit der Rundfeile und der Elektrofeile, so einer mit Band, den Radius heraus. Dabei darf das Rohr und das Profil praktisch nicht geschwächt werden. Mit der nötigen Geduld ist es aber ganz gut geworden, denn hier war ich ne Weile dran.

Grüße

Thomas
 
Zuletzt bearbeitet:
Das ist so unfassbar stark!
Ich denke da immer an einen der einleitenden Sätze:
Mein Name ist Thomas und ich komme aus Darmstadt. Ich bin 44, einfacher Angestellter, ... und bin gerne draußen in der Natur.
... Ich bin Fahrradanfänger ... Außerdem bin ich Hobbyschrauber ...
;)
Danke, dass du uns hier teilhaben lässt.
Dem möchte ich mich anschließen :anbet:
 
Die ganz jungen High-Performer der vorderen Plätze schütteten auf der "After-Race-Party" dann ihre pinkfarbenen Wunderpülverchen in ihre Plastikflaschen, während wir älteren Herren uns schnurstracks am Bierstand trafen. Hier feierten wir unseren Generationsvorteil feuchtfröhlich und ausgiebig und lästerten über die Trinkgebaren jener,
...du hättest schon in den 90ern oder frühen 2000ern MTB fahren sollen, als das, was du beschreibst, noch zum guten Ton gehörte, das alles weniger professionell und mehr rock&roll war :daumen:

Dein Rad hätte in die Zeit auch perfekt rein gepasst. Aber auch heute, in der Zeit von carbon und Co. Ist es immer noch geil und um so beeindruckender, da du das alles selber gemacht hast
 
Abend Zusammen,

um das nächste Ziel, den Aufbau und die Ausrichtung des Vorderrahmens, noch in diesem Jahr zu erreichen musste ich heute wieder ein paar Stunden in die Werkstatt. Nur die Vorbereitung der Sylvester Feier bremste mich da etwas aus. Eigentlich hätte ich auch nochmal ne Stunde auf das Ergometer gemusst, aber ich entschied, dass Handwerk eben auch sowas wie Sport ist. Außerdem finde ich meine dünnen Radsportler-Arme doof. Da muss einfach noch mehr gefeilt und gesägt werden.

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Hinten um Bild ist wieder das Lot zu sehen, mit dem ich das Sattelrohr-Profil ausrichte.
Insgesamt ist das ne ganz schöne Frickelei bis da alles gerade ausgerichtet, genau da sitzt, wo man es haben möchte.

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So mache ich das dann oben, der eigens geschnittene Styrodur-Klotz positioniert fürs erst die Profile. So lassen sich ganz feine Einstellungen vornehmen, bis alle Maße genau stimmen. Ich orientiere mich da an meinem "alten" Rahmen. Hier sieht man auch die Aufhängung des Lotes.

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Hier wird der obere Beschlag im Untermaß vorgebohrt. Die Löcher dienen so als "Pilot" Löcher, welche im Verbund auf den vollen Durchmesser gebohrt werden. Ich arbeite gerne mit den langen Bohrern. Die lassen sich prima kontrollieren und ausrichten. Das wird dann frei Hand praktisch genau so gerade wie in der Maschine.

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Hier sorgt der Schaumklotz für zwei parallele Profile. Den Bohrer habe ich mit einem Stopper versehen, da ich ja den schönen Gabelschaft nicht anbohren möchte. Ich werde da immer ganz kribbelig, wenn da die Teile aufgebaut einen großen Fortschritt vortäuschen.

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Treffer, würde ich sagen 😜
Natürlich sollte da auch so sein, aber wenn ich nach dem Ausmessen, Anzeichnen und Ausrichten doch da rauskommt, wo ich hinwollte, dann darf ich mich gefälligst auch freuen.

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Letzte Feinjustierung des Beschlages mit Schleifleinen. Es ist eben ganz knapp kein rechter Winkel.

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Komplett verbohrt, eingezogen und gesenkt. Mit 27g (der Beschlag rechts) ist er sogar etwas leichter als "erhofft" geworden.

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Beide Beschläge befinden sich nun fertiggestellt und positioniert am Steuerrohr.
Hier bin ich echt mal gespannt, wo das Gewichtsmäßig rauskommt, gerade im Vergleich zu den Stahl-Vorgängern.

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Es wird...

Grüße

Thomas
 
Abend Zusammen,

um das nächste Ziel, den Aufbau und die Ausrichtung des Vorderrahmens, noch in diesem Jahr zu erreichen musste ich heute wieder ein paar Stunden in die Werkstatt. Nur die Vorbereitung der Sylvester Feier bremste mich da etwas aus. Eigentlich hätte ich auch nochmal ne Stunde auf das Ergometer gemusst, aber ich entschied, dass Handwerk eben auch sowas wie Sport ist. Außerdem finde ich meine dünnen Radsportler-Arme doof. Da muss einfach noch mehr gefeilt und gesägt werden.

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Hinten um Bild ist wieder das Lot zu sehen, mit dem ich das Sattelrohr-Profil ausrichte.
Insgesamt ist das ne ganz schöne Frickelei bis da alles gerade ausgerichtet, genau da sitzt, wo man es haben möchte.

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So mache ich das dann oben, der eigens geschnittene Styrodur-Klotz positioniert fürs erst die Profile. So lassen sich ganz feine Einstellungen vornehmen, bis alle Maße genau stimmen. Ich orientiere mich da an meinem "alten" Rahmen. Hier sieht man auch die Aufhängung des Lotes.

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Hier wird der obere Beschlag im Untermaß vorgebohrt. Die Löcher dienen so als "Pilot" Löcher, welche im Verbund auf den vollen Durchmesser gebohrt werden. Ich arbeite gerne mit den langen Bohrern. Die lassen sich prima kontrollieren und ausrichten. Das wird dann frei Hand praktisch genau so gerade wie in der Maschine.

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Hier sorgt der Schaumklotz für zwei parallele Profile. Den Bohrer habe ich mit einem Stopper versehen, da ich ja den schönen Gabelschaft nicht anbohren möchte. Ich werde da immer ganz kribbelig, wenn da die Teile aufgebaut einen großen Fortschritt vortäuschen.

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Treffer, würde ich sagen 😜
Natürlich sollte da auch so sein, aber wenn ich nach dem Ausmessen, Anzeichnen und Ausrichten doch da rauskommt, wo ich hinwollte, dann darf ich mich gefälligst auch freuen.

Anhang anzeigen 2071262
Letzte Feinjustierung des Beschlages mit Schleifleinen. Es ist eben ganz knapp kein rechter Winkel.

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Komplett verbohrt, eingezogen und gesenkt. Mit 27g (der Beschlag rechts) ist er sogar etwas leichter als "erhofft" geworden.

Anhang anzeigen 2071263
Beide Beschläge befinden sich nun fertiggestellt und positioniert am Steuerrohr.
Hier bin ich echt mal gespannt, wo das Gewichtsmäßig rauskommt, gerade im Vergleich zu den Stahl-Vorgängern.

Anhang anzeigen 2071287
Es wird...

Grüße

Thomas
Und aufm Rad warste auch noch :D
 
Frohes Neues Jahr,

auch der erste Prototyp wurde nun pünktlich zum Jahresabschluss stillgelegt.
Wir haben einen Menge Abenteuer, Kilometer, Stürze, Rekorde und andere schöne Momente miteinander verbracht. er hat aber nun auch ausgedient. Die nötigen, entwicklerischen Erkenntnisse hat er geliefert und nun brauche ich auch ihn als Muster und als Inspiration.
Ich möchte die Steifigkeit nochmals im Vergleich vermessen und die entscheidenden Schlüsse für den dritten Rahmen ziehen.

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Warum mache ich das? Immerhin verfüge ich so derzeit über kein einsatzbereites MTB bzw. Fahrrad mehr.
Das ist so eine alte Fliegertradition. Unser alter Meister nahm vor etwa 100 Jahren als Auszubildender an den alljährlichen Fliegertreffen auf der Wasserkuppe teil. Dort wurden die über das Jahr entwickelten und gebauten Segelflugzeug-Prototypen ausgiebig getestet. Was nach 2 Wochen noch heile war, wurde bei der Abschlussfeier zeremoniell im großen Lagerfeuer verbrannt. Die Ingenieurs-Anwärter machten das um sich zu motivieren im folgenden Jahr mit besserem Gerät aufzuwarten, welches jeweils alle neuen Ideen und Erkenntnisse umgesetzt an den Start bringen möge.
Und genau diese Tradition führe ich hiermit fort. es wird erst wieder eine Blechbüchse rollen, wenn ich die fertig gestellt habe.

Grüße

Thomas
 
Abend Interessierte,

in der nun beschriebenen Bauphase geht es zwar gefühlt recht flott voran, aber das Vorgehen selber ist eher bekannter Natur. Konkret beplanke ich den ausgerichteten Rahmen mit den Seitenflächen und gebe ihm so seine endgültige Geometrie. Dabei muss man die genau Ausrichtung (mit Lot) genau im Auge behalten, denn wenn die Löcher mal drin sind, dann ist er entweder gerade oder eben krumm.

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Mit diesem Hilfswerkzeug, was ich schon für beide Rahmen verwendet habe, zeichne ich die Positionen für die Niete an. Ein Zoll Nietabstand hat sich als Rastermaß bewährt, aber weil ich nicht dauernd die Lineale und Maßbänder tauschen möchte, wählte ich 25mm. Das ist quasi beides 😉 und es passt zur Blechstärke. Ebenfalls wichtig ist die Symmetrie der Bohrungen, denn später muss ich "gerade" durch den Rahmen bohren können. Zwei Löcher liegen also immer jeweils genau gegenüber.

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Im Bereich des Tretlagers sieht das nur gut aus, wenn die Löcher konzentrisch angeordnet sind. Da der Lochabstand am Tretlagerbeschlag kleiner ist, nämlich etwa 15 mm, muss ich einen schleichenden Übergang zu dem 25er-Muster machen. Das ist kein Problem, denn kleinere Abstände sind zulässig.

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Jedes Profil wird "Gekörnt". Wichtig und dimensionierend ist der Abstand von der Außenkannte des jeweiligen Profilsteges. Der beträgt hier 6,5 mm. Anschließend kommen 2 mm Pilot-Löcher hinein.

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Dann wird von innen nach Außen durchgebohrt. Auch hier bohre ich noch nicht auf den endgültigen Durchmesser von 3/32 Zoll. Die Heftnadeln passen auch in Löcher die noch ein Zehntel keiner sind.
Das hat den Vorteil, dass ich erst ganz zum Schluss und im Verbund, nochmals nachgerichtet auf das Endmaß gehen kann. Ja, hier müssen viele Schritte recht eintönig hundertfach wiederholt werden. Aber als Radsportler ist man eintönige Quälerei ja irgendwo gewöhnt.
Quatsch, das hier macht Spaß und ich muss meine Hibbeligkeit öfter Bremsen.
Jetzt isses wieder eine geschlossene Blechkiste 😁 und ich habe im Vergleich zu dem leichten Vorgänger wieder etwas stärkeres Material verwendet.
Ich erwarte so mehr Ttritt-Steifigkeit.

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Das "Unterrohr" mache ich auch in der Dimension selbst etwas größer. Es wird wieder 55m hoch, wie beim ersten Rahmen. Der leichte Rahmen lag bei 44 mm, das war zu wenig.
Mit Syrodur-Platzhaltern, die bei den entsprechenden Löchern ausgeklingt wurden, lege ich das fest.

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So kommt das gut hin. Ich finde es ja scharf, dass alles so gerade ist. wer genau gucht, kann zwischen dem Styrodur und dem Außenblech sogar die Stärke des Profils erkennen. Und das Lot hängt wirklich ganz genau in der Mitte.

Grüße

Thomas
 
Zuletzt bearbeitet:
Und weiter geht es,

die Stärke des "Unterrohres" und des "Oberrohres" und des "Sattelrohres", die gar keine sind, wird nun auf das Seitenblech übertragen. Ein wenig möchte ich da auch noch schauen, wie die die Radien und die Proportionen hinkommen. Das ist ein Vorteil, wenn nicht nach Zeichnung gebaut wird. Solange die wichtigen Parameter eingehalten werden lässt sich während des Bauens die Ästhetik noch justieren.

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Ich fand, 75mm Durchmesser sehen gut aus hier. So ganz egal ist dieser Durchmesser nicht, aber er passt ins Raster. Dazu später mehr.

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Eigentlich habe ich das schon mal dokumentiert, aber nun soll das Profil deutlich stärker werden. Da wird es noch spannend, ob ich mit der bewährten Methode die Biegung hinbekomme. Tatsächlich ist das nicht ganz so einfach, wie es zunächst scheint und man muss dem Material seinen Willen wirklich aufzwingen.
Mit einer Feile lege ich die Grenzen der gebogenen Sektion fest.

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Dann wird zwischen den Kerben grob ausgeschnitten. Keinesfalls darf man dem Endmaß hier nahe kommen, da das Blech immer durch die Schere lokal vorgeschädigt ist. Es wird ja im Prinzip "zerrissen".


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Wer erkennt den Unterschied bei den Blechscheren? Der ist wichtig, ohne den geht das schief.

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Anschließend wird vorsichtig gefeilt und am Schluss mit dem passenden Radius
geglättet. Hier baute ich mir eine entsprechend passende Leiste.

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Der letzte Schliff darf nur in Streckrichtung erfolgen, sonst bricht das Material.
Warum ich das wohl weiß? 😜


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Mit Gefühl und einer eigens angepassten Seitenführung biege ich das Profil nach und nach in die gewünschte Form. Dabei kaltverhärtet es lokal und man muss höllisch aufpassen, dass man es nicht übertreibt. Zurückbiegen geht leider gar nicht, das verzeiht Alu niemals. Auch kommt es auf das richtige Verhältnis von Zug und Biegung an und auch der Durchmesser des Werkzeugrohres ist entscheidend. Er muss kleiner sein als der angestrebte Durchmesser der Biegung, da das Material immer auch anteilig elastisch verformt wird und dann ein Stück weit zurück federt.

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Stück für Stück immer wieder kontrollieren, korrigieren und richtig weiter marschieren. Ein wenig Übung braucht es hier, aber es kommt gut hin. Hier entsteht das Gefühl für das Material, weil es ja in den eigenen Händen regelmäßig versagt und seine Streckgrenze überschreitet. Üben mit einer "billigen" Legierung bringt hier leider gar nichts, sie verhält sich schlicht anders. Ich bilde mir inzwischen ein, Festigkeiten eines Bleches mit diesem Arbeitsvorgang einschätzen zu können.
Nebenbei, 2024-T3 hält mehr als 6061-T6, das zeigt unter anderem diese Verformung.
Zum Glück ist die neue Materialstärke in 2024-T3 gerade noch mit den Handkräften zu beherrschen.
Das geht zudem erstaunlich genau, Trotzdem wird da am Ende der eine oder andere Millimeter ignoriert. 😁

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Passt gut und rutscht schön in seine Ecke.

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Oben herum schließt ein schwächeres Profil den Ausschnitt ab. Damit wird das Teil eben zweiteilig, denn bei der Torsionssteifigkeit zählt das Unterrohr einfach mehr. Außerdem ist es so etwas einfacher herzustellen, da die Länge mittels Schneiden noch nachgebessert werden kann.

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n
Ein kleines Knotenblech verbindet die beiden Teile.

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Zusammengeheftet und ausgerichtet, ein nicht ganz "unkitzeliger" Arbeitsschritt ist damit abgeschlossen.
Ein Problem bleiben die Bögen, hier muss ich wieder was hinbauen, was die innereStruktur mit dem Außenblech verbindet. Das hat ja bei dem Vorgänger "V2" nicht so recht geklappt. Die Lösung "V1" finde ich nicht elegant genug, da habe ich einfach weitere Profile angenietet.
Dieses mal komme ich mit einer schickeren Lösung, die auch die Festigkeit und Steifigkeit des Rahmens beeinflussen wird. Aber auch das existiert bislang nur in theoretischen Ansätzen seit 2 Jahren in meinem Kopf. Hier könnte die Herstellung nochmal die entscheidenden Ideen liefern.
Schlachtpläne ändern sich immer mit dem ersten Schuss.

Gruß

Thomas
 
Zuletzt bearbeitet:
Guck mal oben auf den Fotos, wo die Schere gerade bei der Arbeit ist: Eine Seite des durchgeschnittenen Blechs wird (immer) von der Schere / vom Blatt weggedrückt und dadurch verformt, der andere Teil bleibt weitgehend wie er ist.
Desdeweeche braucht man eine linke und eine rechte Blechschere, wenn man nicht die Schneiderichtung frei wählen kann, damit man immer den Streifen, der abgeschnitten werden soll, der Verformung preisgibt, denn der kommt ohnehin weg. Andernfalls würde man ja sein Werkstück verformen, und das ist kaum wieder rückgängig zu machen.
 
Guck mal oben auf den Fotos, wo die Schere gerade bei der Arbeit ist: Eine Seite des durchgeschnittenen Blechs wird (immer) von der Schere / vom Blatt weggedrückt und dadurch verformt, der andere Teil bleibt weitgehend wie er ist.
Desdeweeche braucht man eine linke und eine rechte Blechschere, wenn man nicht die Schneiderichtung frei wählen kann, damit man immer den Streifen, der abgeschnitten werden soll, der Verformung preisgibt, denn der kommt ohnehin weg. Andernfalls würde man ja sein Werkstück verformen, und das ist kaum wieder rückgängig zu machen.
Du zitierst doch sogar den Zwinkersmiley von @dopero mit, und sein Foto zeigt offensichtlich zwei unterschiedliche Blechscheren, höchstwahrscheinlich, weil er ganz genau weiß, was der Unterschied zwischen den Scheren ist und warum manchmal die eine, manchmal die andere zum Einsatz kommt. Der braucht doch sicher keine Erklärung mehr smh 🫠
Aber trz schön dass dus nochmal so konzise zusammengefasst hast, ist für andere vlt interessant.

Zurück zum Thema und sry für off-topic: Das hier ist momentan wsl der interessanteste Faden im Forum, den ich kenne. Da wird für mich ein völlig unkonventioneller Rahmen konstruiert mit einem Eifer und einer Handwerklichkeit und in einer Komplexität, neben der das sonstige "schweißen wir mal gut durchdacht ein paar rohre zusammen" verblasst. Schön zu sehen, wie facettenreich unser Sportgerät ist!
 
Hallo Leute,

ich sehe schon Ihr kennt Euch aus. :)
In der Tat braucht man eine "rechte" und eine "linke" Schere, aus genau den Gründen die hier genannt wurden.
Anders als bei geschweißten Rahmen wird das Material mitunter normal zur Schnittrichtung belastet.
Und da reduziert jede kleine Vorschädigung sofort die Dauerhaltbarkeit.
Ich habe an den existierenden Rahmen Risse gefunden, die mich erst dann wieder an "alte" Baufehler erinnerten.

Grüße

Thomas
 
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