Die gute Nachricht vorweg: In Graubünden ist fast jeder Wanderweg mit dem Bike befahrbar. Wanderweg ist also gleich Biketrail. Zu den interessantesten Bikeregionen in Graubünden gehört Scuol, Samnaun und Val Müstair. Im Dreiländereck Schweiz-Österreich-Italien lassen sich 800 Kilometer Mountainbike-Touren entdecken. Enduristen kommen bei unzähligen Trails mit viel Flow voll und ganz auf ihre Kosten. Dazu kommt das sonnige Klima. Durch die Abschirmung von mächtigen Bergketten gegen Norden und auch Süden die Region gehört zu den trockensten in den gesamten Alpen. Dass das ein Schmuckstück für Biker ist, liegt auf Hand, aber vielen ist dieses Singletrail-Paradies noch nicht bekannt.
Bikerfreundliches Bahn- und Postautonetz
Von Scuol über Samnaun bis Val Müstair finden Biker Naturtrails vom Feinsten. Die Destinationen lassen sich ideal miteinander kombinieren und mit dem Postauto und Zug wunderbar erkunden. Biketransport ist überall vorgesehen und daher sind Postbusse und Züge mit Transportvorrichtungen bzw. Postbusse sogar mit Anhängern ausgestattet. Um Scuol, Samnaun und die Trails rund um den Nationalpark Val Müstair zu entdecken, empfehlen wir ein verlängertes Wochenende einzuplanen. Ihr werdet garantiert begeistert sein.

Naturtrails und Bike-Villa in Scuol
Scuol ist in circa zweieinhalb Autostunden von Zürich oder dreieinhalb Autostunden von München aus zu erreichen. Diese Bike-Destination bietet auch in der späten Saison noch Liftunterstützung an und mit ein paar weiteren Höhenmetern bergauf, die mit eigener Kraft zu erreichen sind, liegt euch die Trail-Vielfalt zu Füssen. Zu erwarten: Naturtrails mit flowigen und technischen Passagen und bis zu 2.000 Tiefenmetern bergab. Grandiose Aussichten auf die Bündner Bergwelt inklusive. Erfrischung gibt es an einem der vielen Brunnen mit frischem Quellwasser, das sogar mit natürlicher Kohlensäure versetzt ist. Die Brunnen sind meist mit zwei Wasserhähnen ausgestattet. Aus einem fliesst normales Trinkwasser, aus dem anderen kohlensäurehaltiges Mineralwasser. In und um Scuol entspringen 20 Mineralquellen. Kein Wunder, dass dieses Bergdorf früher ein weltbekannter Kurort war.


Unterschlupf finden Biker zum Beispiel in der wunderschönen Bike-Villa von Supertrail-Rides. Für Gruppen ist diese Unterkunft ideal und die Guides zeigen euch auch gerne ihre Lieblingstrails. Ansonsten bietet sich das Hotel Filli an, das ebenfalls sämtliche Annehmlichkeiten für Biker bietet. Vom Bikeraum bis zum Sportlerfrühstück ist alles geboten.
Panoramatrails in Samnaun
Nach einem Biketag in Scuol geht es weiter mit dem Postbus nach Samnaun. Eine Stunde dauert die Fahrt ins abgelegene Samnaun über enge Bergstrassen mit dunklen Tunneln. Das Bergdorf Samnaun ist sehr ursprünglich und abgeschieden. Dazu ist es die einzige Zollfreistation der Schweiz. Aber wir sind ja nicht zum Shoppen da, sondern um mit dem Bike die Grenzregion zu Österreich zu erkunden.


Als Unterkunft und für die ideale Ausgangslage empfehlen wir das Hotel Laret. Das Bikehotel bietet alles was das Bikerherz sich wünschen kann: Bikeraum, Wäscheservice und eine hervorragende Küche.
Die Doppelstock Bergbahn Samnaun führt uns von der Talstation Samnaun Ravaisch auf den Alp Trida Sattel (2500 m). Die Bike Tour rund um den Salaaser Kopf ist sehr zu empfehlen und bietet neben alpinen Trails – mal wieder – ein Panorama vom Feinsten. Die Abfahrt über den Salaaser Kopf ist ein Highlight, beim Wasserfall vom Salaaser Bach bei Sot Craps jedoch Vorsicht geboten und Schieben unerlässlich. Hike-a-Bike Passagen kennen wir aber zu gut und schliesslich gehört das zu einer ausgiebigen Biketour im alpinen Gelände genauso dazu wie die rasante Singletrail-Abfahrt.


Für Entdecker: Trails rund um den Schweizerischen Nationalpark
Weniger touristisch und geruhsamer geht es im Schweizerischen Nationalpark zu. Das Val Müstair hat einen besonderen Reiz und die Trails führen teilweise über alte Schmugglerpfade. Das Bikeshuttle von Supertrail-Rides bringt uns in das herzige und abgeschiedene Bilderbuchbergdorf S-charl, das aus 13 Häusern besteht. Im Sommer erreicht man es gut mit dem Postauto, im Winter mittels Pferdeschlitten.

Wie man an den Namen von Dörfern, Strassen und Bergen erkennt, befinden wir uns in einer Region wo Räeto-Romanisch, die vierte Schweizer Landessprache, gesprochen wird. Bekannt ist der Nationalpark bei Bikern wegen dem Bike-Marathon, der nächstes Jahr bereits zum 16. Mal stattfindet. Es lohnt sich aber natürlich auch ohne Zeitdruck die Trails rund um den Park zu erkunden.


Unsere Tagestour führt vorbei an der Alp Astras, bis wir den höchsten Punkt Funtana da S-charl mittels Hike-a-Bike Passagen erreichen. Ein beeindruckender Trail schlängelt sich am Hang entlang bis wir am Ofenpass landen. Die Landschaft um uns herum versetzt unseren Atem ins Stocken.


Nach einem letzten Anstieg zur Alp Champatsch werden wir mit einem weiteren Trail-Highlight der Region belohnt und beenden unsere Tour am Kloster St. Johann in Müstair. Perfektes Timing, denn das Postauto, welches uns wieder zurück zum Ausgangspunkt bringt, fährt gerade ein. Knapp zwei Stunden später erreichen wir das 60 Kilometer entfernte Scuol wieder. Wir sind uns einig, diese Tour war „episch“ im wahrsten Sinne des Wortes – die Landschaft, die Trails, die Abgelegenheit und das Erlebnis sind einzigartig.

Ein ereignisreiches Wochenende geht zu Ende, die Erinnerungen bleiben: Im Gegensatz zu vielen anderen Regionen können wir in Graubünden die Wanderwege mit dem Bike befahren. Wanderer und Biker begegnen sich mit Respekt und die Engadiner Gelassenheit spiegelt sich auch in der Gastfreundschaft wieder. Biker sind willkommen, nicht nur in Hotels, sondern auch bei den öffentlichen Verkehrsmitteln, die Scuol, Samnaun und Val Müstair miteinander verbinden. Landschaftlich können wir nur „WOW“ sagen. Vom Bergpanorama bis hin zu verlassenen und urigen Bergdörfern mit der ursprünglichen Architektur. Bündner Fleisch & Salsiz, Capuns, Pizzocheri und Birnenbrot gehören zur kulinarischen Vielfalt. Das in Kombination mit der Singletrail-Garantie macht diese Bike-Region zu einen der besten Spots in Europa. Also: Ab auf die Bike-Bucket List 2017.
Weitere Informationen
Website: outdoormind.de | www.graubuenden.ch/bike
Auf Instagram: @Outdoormindmag | @PatrickAubertdelaRuee
Facebook: @Outdoormind
11 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumBei der Val d'Unia Tour würde ich auch ohne Verbot absteigen, da sind ja auch schon ein paar biker tödlich verunglückt
Beschreibung zb hier: http://www.mountainbiker.ch/touren/val-duina-sta-maria
... indem Du vom Ofenpass parallel den schönen Trail (der Einstieg ist direkt hinter dem Hotel/Restaurant auf der Passhöhe) runter in Richtung Buffalora nimmst. Dort geht es links tlw. steil hoch auf die Alp Buffalora in Richtung Fuorcla del Gallo. Bei der Chasa da Cunfin links ins sehr schöne Val Mora abbiegen. Von dort hoch auf Döss Radond und danach runter nach Sta. Maria oder Fuldera/Tschirv im Val Müstair.
Die dabei zu bewältigenden 4 - 500 Höhenmeter lohnen sich.
Viel Spass!
Danke, das ist also grad so an der Grenze. Ich hatte den NP größer in Erinnerung und dass der Ofenpass eine Enklave im NP ist, hab ich wieder dazu gelernt. Werd ich für den nächsten Urlaub auf dem Schirm behalten.
Enjoy Your Ride!
Stefan
Wir laden dich ein, jeden Artikel bei uns im Forum zu kommentieren und diskutieren. Schau dir die bisherige Diskussion an oder kommentiere einfach im folgenden Formular: