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Der große MTB-Bremsbeläge-Ratgeber
So findest du die richtigen Bremsbeläge für dein Fahrrad!

Noch nie war es so leicht, auf einem Mountainbike langsam zu werden – moderne Scheibenbremsen besitzen teils eine brachiale Power, an die sich Anfänger erst gewöhnen müssen. Was viele aber vergessen: Neben komplexen Hydraulik-Systemen, der Kolbenanzahl oder dem Hebelverhältnis spielen die Bremsbeläge eine riesige Rolle bei der Brems-Performance. Wir geben wichtige Service-Infos, räumen ein paar alte Mythen auf und erklären euch, welche Beläge was machen! Viel Spaß mit dem Bremsbeläge-Ratgeber.

Mountainbike-Bremsbeläge: Unterschiede und Bremskraft

Was ist besser: Sinter oder organische Beläge?

Im Prinzip gibt es zwei große Klassen von Scheibenbremsbelägen: metallische und organische. Metallische Beläge (auch Sinter-Beläge genannt) bestehen aus gesintertem Metall-Granulat, das fest verpresst wird. Organische Beläge hingegen nutzen Stoffe aus der organischen Chemie, die mit einem Bindemittel – meist Kunstharz – gebunden und verpresst werden.

# Bereits optisch unterscheiden sich metallische (links) und organische (rechts) Beläge leicht - metallische Beläge verschleißen weniger und leiten Hitze besser weiter. Organische Beläge hingegen haben oft mehr Biss und quietschen weniger.
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Wie lange halten Bremsbeläge am MTB?

Scheibenbremsbeläge können je nach Fahrweise und Wetterlage monatelang halten – bei vielen steilen, schlammigen Abfahrten hingegen aber nur wenige Tage. Es empfiehlt sich daher, die Beläge regelmäßig zu checken – bei den meisten modernen MTB-Bremsen sind diese gut von oben sichtbar. Bei Shimano fangen die Beläge an der Verschleißgrenze an, Geräusche zu machen – beim Ausbau wird im Belag ein Verschleißindikator sichtbar. SRAM hingegen gibt an, dass Trägerplatte und Belag zusammen dürfen nicht unter 3 mm messen dürfen.

Bevor der Belag bis auf die Metall-Platte runtergebremst ist, wird normalerweise die kleine Spreizfeder, welche die Beläge von der Scheibe wegdrückt, in die Scheibe gezogen. Das macht sich durch sehr laute Schleif- und Klirrgeräusche bemerkbar und ist die letztmögliche Warnung, dass man die Fahrt sofort beenden oder die Beläge wechseln sollte. Besser ist, man lässt es nicht so weit kommen, da bereits hier Schäden auftreten können. Bremst man den Belag bis auf die Trägerplatte runter, wird die Scheibe und vielleicht sogar der Bremskolben beschädigt.

# Hier ist das absolute Limit erreicht! - spätestens wenn der Belag nur noch so dick wie die Spreizfeder ist, sollte man schleunigst wechseln, sonst droht Ungemach!

Auch Bremsscheiben haben übrigens ein Verschleißlimit: Shimano und SRAM-Scheiben dürfen von 1,8 mm auf 1,5 mm bzw. 1,55 mm heruntergebremst werden. Die 220 mm-Scheiben von SRAM, sowie Modelle von Magura, TRP und Trickstuff sind etwas dicker. Häufig ist die Minimal-Dicke auf der Scheibe aufgedruckt.

Bremsbeläge der Scheibenbremse wechseln

Natürlich gibt es hier kleinere Unterschiede je nach Hersteller – im Prinzip ist der Wechsel jedoch kein Hexenwerk und verläuft meist sehr ähnlich ab. Sind eure alten Beläge verschlissen, empfiehlt es sich auf jeden Fall, das Rad auszubauen – auch wenn der Wechsel bei vielen modernen Bremsen mittlerweile ohne Ausbau möglich ist. Eure alten Beläge sind jedoch wesentlich dünner als die neuen, weshalb ihr die Bremskolben wieder ganz zurückdrücken müsst. Tauscht ihr neuwertige Beläge aus, könnt ihr diesen Schritt tatsächlich überspringen.

# Da eure neuen Beläge dicker sind als die alten, verschlissenen, müsst ihr die Bremskolben wieder zurückdrücken - am einfachsten geht das, wenn die alten Beläge noch drin sind.
# Wollt ihr die alten Beläge jedoch noch behalten, solltet ihr sie ausbauen und die Kolben so zurückdrücken - seid hier aber wirklich sehr vorsichtig, setzt gerade am Kolben an und nehm ein stumpfes Werkzeug mit einem guten Hebel.
# Am besten eignet sich ein großer, metallener Reifenheber - auch schmale und stabile Kunststoff-Reifenheber funktionieren gut.
# Sind eure Beläge mit einer Schraube befestigt, dann ist diese oft mit einem Sicherungsring versehen.
# Um die Beläge auszubauen, müsst ihr die Schraube entfernen. - Günstigere Bremsen haben manchmal nur einen Splint, dessen Ende ihr mit einer Zange gerade biegen müsst.
# Jetzt könnt ihr die Beläge ganz einfach herausziehen - bei den meisten modernen Scheibenbremsen geht das nach oben. Bei manchen Modellen allerdings nur nach unten.
# Steckt die neuen Beläge auf die mitgelieferte Spreizfeder - achtet darauf, dass deren Arme sicher seitlich um den Belag herum greifen und nicht in die Reibfläche ragen.

Wie Scheibenbremsen einbremsen?

Um die optimale Bremspower zu erhalten, sollten die Beläge unter kontrollierten Bedingungen auf die Scheibe eingebremst werden. Dabei übertragen sich Partikel vom Belag auf die Scheibe und optimieren so die Reibfläche – außerdem gasen die Bindemittel bei organischen Belägen erst dann richtig aus. Die Empfehlungen der Hersteller unterscheiden sich hier etwas: Magura empfiehlt beispielsweise, etwa 30 Mal von 25–30 km/h bis kurz vor den Stillstand zu bremsen – nur dann werden die Beläge heiß genug, damit es zum Partikelaustausch kommt. Einen Stoppie machen sollte man übrigens nicht – dabei können sich Material-Anhäufungen auf der Scheibe sammeln, was später zu Geräuschentwicklung und ungleichmäßiger Bremspower führen kann. In der Regel merkt man recht deutlich, wann es genug ist – nämlich wenn sich die Bremswirkung nicht mehr spürbar verbessert.

# Mit frischen Bremsbelägen direkt in die berüchtigte, super steile World Cup-Strecke in Schladming starten? - Das ist gar keine gute Idee! Vor der ersten Ausfahrt solltet ihr alle Bremsbeläge ordentlich einbremsen, indem ihr mehrfach von moderater Geschwindigkeit auf Schrittgeschwindigkeit abbremst. Niemals bis zum Stillstand bremsen, da sich dann Materialanhäufungen auf der Scheibe bilden!

Manche World Cup-Mechaniker schwören darauf, die Bremsbeläge vorher mit Wasser zu benetzen, das dann beim Einbremsen verdampft. Dies soll den Prozess beschleunigen und zu einem besseren Ergebnis führen. Ihr solltet unter keinen Umständen mit frischen organischen Belägen in eine super krasse Abfahrt starten und die Beläge sofort heftig überhitzen – so können sie verglasen. Dabei verhärten in der Regel Bindemittel im Belag und bilden eine glatte, glänzende Oberfläche, die keine guten Reibwerte aufweist.

Bremsbeläge verglast – was tun?

Einen verglasten Belag erkennt ihr an der eher geschlossenen, glänzenden Oberfläche – zudem an abnehmender Bremspower und eventuell an einer quietschenden Bremse. Ist nur die oberste Schicht betroffen, könnt ihr den Belag ausbauen, etwas mittelraues Schleifpapier (Körnung ≈ 100) auf eine glatte Oberfläche legen und den Belag vorsichtig und ohne viel Druck kreuz und quer drüberziehen, bis die Oberfläche wieder matt ist. Achtet hier darauf, den Belag gleichmäßig aufzulegen, um die Oberfläche nicht schief abzuschleifen. Anschließend den Staub vorsichtig abpusten und den Belag einbauen sowie erneut einbremsen.

# Trick 17: Verglaste Bremsbeläge einfach abschleifen - das funktioniert allerdings nur, wenn sie oberflächlich verglast sind – manchmal hilft auch das gute alte Schleifpapier nicht mehr. Bei Verschmutzung oder Öl auf den Belägen hilft nur eins: Ab in die Mülltonne und neue kaufen!

Bremsbeläge verölt – reinigen oder wegwerfen?

Verölte Bremsbeläge müssen entsorgt werden. Traurig, aber wahr – die Beläge haben so feine Poren, dass auch Bremsenreiniger oder Ähnliches keine Chance haben, Öl und andere Verschmutzungen auszuwaschen oder auszubrennen. Deshalb sollte man beispielsweise beim Ölen der Kette oder Federgabel – insbesondere mit Sprühölen – extrem vorsichtig sein.

Darf ich verschiedene Belag-Sorten mit derselben Scheibe fahren?

Das hängt vom Hersteller ab. Bietet dieser lediglich organische Beläge an, ist es in der Regel kein Problem – man muss den Belag jedoch jedes Mal wieder neu auf die Scheibe einbremsen. Shimano rät dasselbe beim Wechsel zwischen ihren zwei Belag-Sorten. SRAM und Hayes hingegen raten davon ab, eine Scheibe, die bereits mit Sinter-Belägen in Kontakt kam, mit organischen Belägen zu fahren und umgekehrt. Die Beläge hinterlassen nämlich Rückstände, die zwar gut mit dem ursprünglichen Belag harmonieren, nicht jedoch mit einem anderen. Daher sollte man in diesem Fall mit der Belag-Sorte auch die Scheibe wechseln.

Kann man verschiedene Belag-Sorten mischen?

Diese Info ist vermutlich nur für die ganz krassen Rennfahrer unter euch spannend: Manche Profi-Teams fahren tatsächlich auf einer Seite der Bremszange einen metallischen und auf der anderen Seite einen organischen Bremsbelag. Davon erhofft man sich das Beste aus beiden Welten: gleichmäßige Bremspower auf langen Abfahrten bei Regen und bei Sonne! Ob’s hilft? Die meisten Hersteller raten auf Nachfrage dazu, lieber die für die jeweiligen Bedingungen optimalen Beläge zu wählen.


Brembelagstypen nach Hersteller

Formula

Mit den Cura-Modellen – hier unser Formula Cura 4 Test – haben die Italiener weiterhin ein heißes Eisen im Bremsenfeuer, für das ihr zwischen zwei Belägen wählen könnt:

# Formula bietet aktuell die beiden klassischen Belagmischungen an - metallisch (links) und organisch (rechts).

Hayes

Seit einigen Jahren mischt der Traditions-Hersteller Hayes wieder vorne im MTB-Bremsen-Geschäft mit – hier unser Hayes Dominion 4 Test mit Vergleich zwischen den Bremsbelägen. Die US-Amerikaner bieten hier zwei Optionen an – überraschenderweise ist keine davon organisch:

# Bei Hayes-Bremsen habt ihr die Wahl zwischen zwei Belagsorten - T100 Sintered (links) und T106 Semi-Metallic (rechts).

Magura

Magura setzt komplett auf organische Beläge – diese gibt es jedoch in insgesamt vier Versionen, die alle etwas unterschiedliche Stärken und Schwächen aufweisen. Bei Vier-Kolben-Bremsen (mehr hier: Magura MT7 Test) hat man zudem die Wahl zwischen vier einzelnen Belägen oder zwei doppelten. Letztere sind durch die einfachere Herstellung etwas günstiger, können jedoch nur mit ausgebautem Rad getauscht werden.

# Magura bietet ganze vier Belagsorten an. Bei den 4-Kolben-Bremsen gibt es zudem einzelne oder doppelte Beläge. - Comfort (grau), Performance (blau), Sport (grün) und Race (gold)

Shimano

Als einer der führenden Hersteller für Fahrrad-Bremsen (Details: Shimano XTR Bremsen Test, Shimano XT Bremsen Test) hat Shimano eine riesige Anzahl verschiedener Bremsbeläge, die nicht einfach zu durchblicken ist. Im Prinzip bieten die Japaner jedoch die beiden Standard-Belagmischungen metallisch und organisch (Kunststoff oder Resin genannt) an. Bei höherpreisigen Brems-Modellen gibt es zudem Beläge mit über den Bremskörper hinaus stehenden Kühlrippen („Ice-Tech“), die für eine verbesserte Temperatur-Beständigkeit sorgen sollen. Gewichtsfetischisten können zu Belägen mit Titan-Trägerplatte greifen, die nochmal ein paar Gramm sparen.

Welchen Belag man vor sich hat, erkennt man an den Piktogrammen auf der Verpackung: M steht für Metallisch, R für Kunststoff, Ti für die optionale Titan-Trägerplatte und 3, 4 oder 5 Sterne geben Auskunft über die Bremspower.

# Shimano bietet zwar nur die Sorte Resin (links) und Metal (rechts) an - dafür verfügen bestimmte Beläge über Kühlrippen (rechts), die das Hitzemanagement verbessern sollen.

SRAM

SRAM ist neben Shimano der zweite Big Player im MTB-Bremsen-Markt (Details: SRAM G2 Test, SRAM Code Test, SRAM Guide Test), bietet jedoch ein deutlich übersichtlicheres Portfolio. Die US-Amerikaner verfügen mittlerweile über drei Belag-Mischungen, die standardmäßig mit Stahl-Trägerplatte kommen – Gewichtsfetischisten haben jedoch auch hier die Option auf Alu-Trägerplatten.

# SRAM bietet insgesamt drei Bremsbelagsorten an - Sinter-Metall (links), organisch (mitte) und Power (rechts). Der Power-Belag ist jedoch nur für Level und G2-Bremsen erhältlich.

Trickstuff

Trickstuff bietet nicht nur Beläge für ihre eigene Auswahl an Bremsen (Trickstuff Maxima Test, Trickstuff Diretissima Test) an, sondern auch für Bremsen anderer Hersteller. Alle Beläge basieren auf organischen Materialien – hier unterscheiden die Freiburger zwischen drei Mischungen. Der starke Power-Belag ist zudem noch mit verschiedenen Trägerplatten erhältlich.

# Bei Trickstuff könnt ihr zwischen Power (links), Standard (mitte) und Eco-Belägen (rechts) wählen. - Die Power-Beläge gibt es zusätzlich zur roten Version auch mit vernickelter oder Alu-Trägerplatte. Die Eco-Beläge sind lediglich für ältere Bremsenmodelle erhältlich.

TRP

Hinter TRP steht der Bremsenriese Tektro, der unter diesem Namen hochwertige Bremsen für Performance-orientierte Mountainbiker anbietet – hier unser TRP DH-R Evo-Test. TRP unterscheidet bei den Belag-Sorten übersichtlich und leicht verständlich nach Farbe:

# TRP sortiert die Belagmischungen sehr übersichtlich nach der Farbe ihrer Trägerplatte - Blau (organisch), Rot (semi-metallisch) und Kupfer (metallisch).

Mit welcher Sorte Bremsbeläge habt ihr die besten Erfahrungen gemacht?

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