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Ein Trip ins Ungewisse
Biken in der Wüstenlandschaft Spaniens [Foto- und Videobericht]

Um Wüstenlandschaft zu bekommen, muss man nicht zwingend weit wegfliegen – auch in Spanien finden sich mondähnliche Landschaften, in denen sich Trails und Drops entdecken lassen. Die beiden IBC-User Philipp alias Fh4n und Florian alias FlorianF. machten sich vor einiger Zeit mit einem T5-Bus und Google Earth-Recherche auf nach Spanien – auf der Suche nach Trails, die sie in einem Video gesehen hatten. Ein warmes, mückenreiches Himmelfahrtskommando, das jedoch nach einem ziemlich guten Abenteuer klingt – hier der Roadtrip-Bericht der beiden.

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Ein Trip ins Ungewisse

Zum ersten Mal hörten wir von der geheimnisumwitterten Wüstenregion in Spanien durch den Film „[11] – German Actionsports Movie“. Wir beide waren zwar schon mehrmals in Kanada und hatten unzählige interessante Landschaften gesehen, aber wir konnten es kaum fassen, dass solch ein Gelände in Europa existiert. Nach einiger Internetrecherche hatten wir einen Anlaufpunkt gefunden und wir begannen mit Google Earth interessante Orte aufzulisten. Noch wussten wir nicht, dass sich das alles zu einem Roadtrip von 5530km Länge und einem Spritbedarf von 600L entwickeln würde. Nach einigem Hin und Her hieß es dann Abfahrt mit Philipps A-Team Bus Richtung Spanien.

Spainloops von Fh4n – mehr Mountainbike-Videos


# Anfahrt

Der Bus weckte stets die grenzenlose Begeisterung der übrigen Verkehrsteilnehmer. Begeistert war auch die französische Kriminalpolizei, dass man einen T5 Bus auch vom Fahrersitz ohne auszusteigen betanken konnte und fragte, ob alle so in Deutschland tanken würden –  „Aber selbstverständlich!“. Nach Kühlerproblemen, Verlust des 4. Gangs und sporadisch ausfallendem Turbolader erreichten wir endlich unser Ziel und schlugen unser Lager in einer kahlen, fremden und von Grillenzirpen erfüllten Marslandschaft auf. Damit hatten wir gerechnet.


# Teamfahrzeug im Sonnenuntergang

Womit wir nicht gerechnet hatten, war die Mückenbevölkerung im Auto, die nach wenigen Minuten wohl den dreistelligen Bereich erreicht hatte. Offenbar hatten wir zu einem Saufgelage aufgerufen und die Biester folgten der Einladung. Also beschlossen wir das Zelt aufzubauen und letztendlich besiegte die Erschöpfung all die Vorfreude auf den kommenden Morgen und wir fielen in einen kurzen Schlaf.


# Mücken wohin das Auge blickt

Noch vor Sonnenaufgang klingelte der Wecker und so begann unsere viertägige Diät aus Mückenspray, Rockstar Energy, MyMuesli und Deo.


# Für Kraft ist gesorgt

Den ersten Tag verbrachten wir damit die GPS-Koordinaten abzufahren, die wir zuvor über Google Earth entdeckt hatten. Stundenlang fuhren wir im Schritttempo durch die vertrocknete und lebensfeindliche Landschaft und hofften, dass hinter der nächsten Ecke unsere Mühen belohnt werden würden. Doch erst gegen Nachmittag wurden wir fündig. Sofort zogen wir unsere Helme auf und sprangen aus unserem klimatisierten Erkundungsschiff in die brennende Hitze. Ziemlich schnell wurde uns klar, dass zu stürzen hier eine sehr schlechte Idee ist. Der Boden war durch die unerbittlich andauernde Hitze zu extremer Härte gebacken. Überall schauten spitze Salzkristalle heraus, die nun wahrscheinlich schon mehrere Jahrzehnte darauf warteten unsere Arme zu zerschneiden.


# trocken!?

Elegant bezwang Philipp den schmalen Grad vor einem atemberaubendem Panorama wie man es sonst nur aus Utah kennt – und das mitten in Europa. Unser erstes ersehntes Wüstenphoto war im Kasten.


# Philipp Gerken nimmt die erste Abfahrt in Angriff

Der Tag neigte sich zum Ende und bei einer Flasche Wein und dem standesgemäßen Chili con Carne auf dem Gaskocher wurden Pläne für den kommenden Tag geschmiedet. Diesmal beschränkten wir unsere Suche auf einen anderen Winkel der Navarra. Nach einiger Zeit rief Florian wie aus der Pistole geschossen: „Links abbiegen!“. Wir hatten eine komplett andere Art Gelände gefunden, das vollkommen im Kontrast zum vorherigen scharfkantigen Boden stand und von nun an als „Little Kamloops“ im GPS zu finden war.  Die Natur hatte es hier ein wenig besser mit uns Mountainbikern gemeint: Trockener, aber seidiger Lehmboden lag vor uns. Florians Auge schwenkte in der Landschaft umher und so dauerte es nicht lange bis eine Möglichkeit gefunden wurde, an der das Hinterrad seinen Gefühlen freien Lauf lassen konnte.


# Spanien

Kurze Zeit zuvor hatten wir eine Hip-Line entdeckt, die besser nicht hätte sein können. Die ewig andauernde Erosion hatte eine perfekte Anfahrt geformt und so war es auch mit der Landung. Nachdem nun auch unser zweites Wüstenphoto im Kasten war, wollten wir nun zu der besagten Line um den Absprung zu bauen, damit wir sie im Sonnenaufgang des nächsten Tages fotografieren konnten.

Als wir nach kurzer Fahrt ankamen war die Zufahrt von Autos versperrt, die deutsche Kennzeichen hatten – sehr mysteriös. Die Unbekannten hatten Generatoren, Lampen, Stative und sogar einen Kran dabei. Überall wurden Leute geschminkt, gepudert und verbessert. Das Ganze kam uns schon ziemlich spanisch vor, da wir ja immerhin 1500 km Luftlinie von Zuhause entfernt waren und die Umgebung alles andere als einladend war. Um mehr zu erfahren schlug Philipp vor, dass wir ja einfach mal nachfragen könnten und nebenbei unsere Handys an ihren Generatoren laden würden.  Also hofften wir auf unseren A-Team Bus-Bonus, denn wir gehören ja schließlich zu den Guten! Das Ganze entpuppte sich logischerweise als ein Filmset.


# „A-Team Bus“ der beiden Abenteurer

Aber um den Vogel endgültig abzuschießen, drehte ausgerechnet Lena Meyer-Landrut ihr neues Musikvideo genau auf der Hip-Landung, die wir uns in dem 60km mal 40km großen Gebiet ausgesucht hatten. Warum genau dieser popelige Hügel  unter Tausenden? Anscheinend war diese Landschaft vom anderen Stern auch interessant für ein anderes Klientel, abgesehen von Wanderern und Mountainbikern. Am Abend bei einer weiteren Flasche Wein wurde uns immer mehr bewusst, wie unwahrscheinlich dieses Treffen eigentlich war – aber die Welt schien wieder einmal kleiner zu sein als man glaubt.


# Arizona? Ayers Rock? Nein, Spanien.

Da der folgende Tag von Park Rangern unerwarteter Weise verkürzt wurde, traten wir unseren vierzehnstündigen Trip nach Portes du Soleil an, gefolgt von der Eurobike und den World Champs in Leogang. Wieder einmal wurde die Fahrt nicht langweilig, weil wir permanent mit dem Kühler und den anderen Zickereien des Autos zu kämpfen hatten. Aber wenn wir eines bei diesem Roadtrip gelernt haben, dann ist es, dass man meistens einfach die Sache durchziehen muss, egal ob es hier und da Probleme oder Ungewissheiten gibt, die sich einem in den Weg stellen.  Man weiß nie, was hinter der nächsten Flussbiegung liegt – und wenn man sich nicht auf die Reise begibt wird, man es definitiv nie herausfinden. Und wer weiß, vielleicht triffst Du ja Lena Meyer-Landrut auf deiner nächsten Landung?


# Teamfahrzeug im Sonnenuntergang

Weitere Fotos


# Flo beim Warten


# Bikebergsteigen?


# Philipp beim Uphill


# So muss das aussehen


# Kofferraumromantik bei Nacht

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Fotos und Bericht: www.philippgerken.de & www.florianfeise.com

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