Steckbrief: Cube AMS 100 C:68 SLT 29
Einsatzbereich | Cross-Country |
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Federweg | 100 mm/100 mm |
Laufradgröße | 29ʺ |
Rahmenmaterial | Carbon |
Gewicht (o. Pedale) | 9,8 kg |
Rahmengrößen | S, M, L, XL (im Test: M) |
Das Cube AMS 100 C:68 SLT 29 ist das schnellste XC-Race-Bike des bayrischen Branchenriesen. Seit gut 20 Jahren stehen die Buchstaben AMS für vollgefederte Fahrräder mit Viergelenk-Hinterbau. Die aktuelle Form des Cube AMS gibt es ausschließlich mit 100 mm Federweg an Front und Heck und einem konsequent auf Vortrieb ausgelegten Carbon-Rahmen. Dieser bringt schlanke 1.550 g auf die Waage, wird in vier Größen angeboten und soll mit einer gewährten (= klassischen) Geometrie im Cross Country und Marathon brillieren. Was letzte Preis? Es gibt vier Ausstattungen vom Race 29 für 2.999 € bis hin zum SLT 29 für 6.299 €.
In unserem Test tritt das Topmodell an, das den leichten Rahmen mit einer konsequent gewichtsoptimierten Ausstattung kombiniert. Anders als in vergangenen Jahren kommt das Rad nicht in den Cube Teamfarben weiß, blau und rot, sondern in schlichtem Schwarz. Als Würze kommen Schwalbe Classic Skin-Reifen zu Einsatz – fertig ist das dezente Super-Bike. Doch weiter mit dem Gewicht, der Messlatte für schnelle Renngeräte. Anbauteile von Newmen, Federelemente von Fox und eine komplette SRAM XX1 Eagle AXS-Schaltung sorgen dafür, dass das Gewicht am Ende bei schlanken 9,75 kg liegt (Größe M, ohne Pedale). So gerüstet soll das Rad mit seiner klassischen Geometrie (70° Lenkwinkel, 74,5° Sitzwinkel; Reach 427 mm in Größe M) ein schneller Begleiter für den Einsatz im XC und Marathon sein. Wie gut es sich in der Praxis geschlagen hat und wie es im Vergleich zur aktuellen Konkurrenz zu bewerten ist, erfahrt ihr in diesem Test.

Video: Cube AMS 100 C:68 SLT 29 im Test
Im Detail
Vor einigen Monaten hatte ich das Vergnügen, ein ausführliches Interview mit German Technology-Rennfahrer Luis Neff zu führen. Teil des Interviews war die Diskussion, ob man in Deutschland eher mit einem Fully oder einem Hardtail die Ergebnisse einfährt. Während er sich entschied, sein neues Hardtail als Arbeitsgerät vorzustellen, ist er in gröberem Terrain zur Zeit in der Regel mit seinem Cube AMS 100 C:68 SLT 29 unterwegs. Und der Rahmen ist für uns beileibe kein Unbekannter. Bereits Ende 2016 hatten wir das Cube AMS 100 im Test – damals ganz frisch mit vollständig neu aufgelegtem Rahmen; bereit für die Markteinführung im Jahr 2017. Dieser Rahmen hat sich seither nicht grundlegend verändert. Das könnte sich jedoch möglicherweise schon im Laufe des Jahres ändern, denn die Arbeiten am Nachfolgemodell sind in vollem Gange. Warum jetzt nochmal ein Test? Gerade erst haben wir mit dem Specialized S-Works Epic, dem Trek Supercaliber, dem Cannondale Scalpel und dem Canyon Lux die Crème de la Crème des XC-Sports analysiert. Das XC-Lager teilt sich nicht nur in diesem Vergleichstest in zwei Lager: klassische und moderne Geometrien. In den Grundzügen dem Canyon Lux sehr ähnlich haben wir im Falle des Cube AMS 100 eine Bestandsaufnahme machen wollen. Im Vergleich zu unserem ersten Test haben sich die Geometrien deutlich weiterentwickelt. Was kann das Rad so gegen die erstarkte Konkurrenz ausrichten?
Unser Cube AMS 100 SLT ist das Topmodell der 2021er-Kollektion. Und es ist leicht. 9,9 kg gibt der Hersteller an, 9,75 kg messen wir im schlauchlosen Aufbau bei Rahmengröße M (ohne Pedale). Die Ausgangsbasis dafür legt der Carbon-Rahmen mit Viergelenk-Hinterbau, der nicht nur Platz für zwei Flaschenhalter bietet, sondern vor allem einen besonders hohen Faseranteil haben soll: 68 %, daher das Kürzel C:68. Der Rest entfällt auf das Harz, das die Fasern verbindet. Das wiederum reduziert das Gewicht auf 1.550 g. Mit diesem Wert muss sich das Cube AMS 100 in keiner Weise verstecken. Hinzu kommt, dass der Rahmen soweit voll ausgestattet ist: wer möchte, kann ebenso einen Umwerfer wie auch eine Variosattelstütze montieren. Alle Leitungen sind innen geführt und am gesamten Hinterbau sind die Drehpunkte und Gewinde von den Antriebsseite her verdeckt, um ein aufgeräumtes Erscheinungsbild zu unterstützen.
Passend zum exklusiven Topmodell hat Cube auch beim Lack tief in die Trickkiste gegriffen. Während die untere Hälfte des Rahmens aus Gewichtsgründen nur mit Klarlack beschichtet ist und eine schöne Decklage an breit gewebten Kohlefasern vorzeigt, ist die obere Hälfte mit einem aufwändigen Glitzerlack beschichtet. Je nach Lichteinfall mischen sich hier verschiedenste Farben in den schwarzen Metalliklack. Die Oilslick-Farbgebung der diversen Anbauteile greift das perfekt auf. Doch dazu mehr bei der Analyse der Ausstattung.

Geometrie
Die Geometrie des Cube AMS 100 in seiner aktuellen Form wurde im Jahr 2016 entwickelt. Mit 177 cm Körpergröße wähle ich das Rad in Größe M und bekomme einen Reach von 427 mm. Der Lenkwinkel misst 70°, am Sitzrohr liegen 74,5° an. Damit ist das Rad vergleichsweise kurz, was für hohe Agilität und ein zackiges Handling spricht. Gleichzeitig ist das Rad vergleichsweise hoch. Der Stack misst 600 mm, das Stack-to-Reach-Verhältnis liegt bei 1,41. Ein Specialized Epic liegt in der neusten Generation bei 1,33 (Reach: 445 mm, Stack 591 mm), der Lenkwinkel ist 2,5° flacher. So groß fallen dieser Tage die Geometrieunterschiede im Cross Country aus.
Dass die Daten des Cube AMS 100 auch heute noch keineswegs als unfahrbar altmodisch einzustufen sind, zeigte in unserem Vergleichstest gerade erst das ähnlich ausgelegte Canyon Lux. Es ist erst in 2019 auf den Markt gekommen und steht mit identischem Lenk- und Sitzwinkel sowie etwas längerem Reach dem Cube von der Idee her sehr nah. Die Erfolge bei nationalen und internationalen Rennen können als Beleg dafür genommen werden, dass dieser Ansatz nach wie vor eine Daseinsberechtigung hat.
Beide stehen jedoch für eine scheidende Generation von Geometrien. Im direkten Vergleich zeigt sich, dass die modernen Geometrien bergab mehr Tempo ermöglichen, aber bergauf nicht langsamer sind. Das gilt insbesondere für technisch anspruchsvolle Strecken im Cross Country. Hinzu kommt, dass auch Räder wie ein Orbea Oiz oder das ausgesprochen beliebte Scott Spark RC mit flacherem Lenkwinkel, längerem Reach und niedrigerem Stack die Richtung weisen. Somit ist das Cube AMS 100 auch im breiteren Wettbewerbsvergleich klarer Vertreter der alten Garde.

Ausstattung
Vier Ausstattungsvarianten bietet Cube beim schnellen AMS 100 an – die von uns gefahrene SLT-Version stellt die Speerspitze des Programmes dar. Alle Ausführungen bauen auf dem selben leichten Rahmen auf; eine Differenzierung beispielsweise beim Rahmenaufbau und damit beim Gewicht gibt es nicht. 6.299 € ruft Cube als Preis auf und gehört damit zu den „günstigsten“ Topmodellen im XC-Sektor. Dennoch sprechen wir hier von einem stolzen Preis. Was liefert Cube im Gegenzug?
Das Fahrwerk stammt komplett aus dem Hause Fox. An der Front arbeitet eine leichte Fox 32 Stepcast Factory-Federgabel mit 100 mm Federweg. Den passenden Fox Float DPS Factory-Dämpfer am Hinterbau hat Cube speziell mit Fox abgestimmt, um das Maximum aus den 38 mm Hub zu holen. Beide lassen sich über einen gemeinsamen Hebel vom Lenker aus bedienen, um das Fahrwerk bergauf starr zu schalten.


Einen Großeinkauf macht Cube im Hause SRAM. Geschaltet wird mit einer kompletten XX1 Eagle AXS 12fach-Gruppe, die mit großer 10-52er-Kassette und kleinem 32T-Kettenblatt spezifiziert ist. Das Feature: der Schaltwunsch wird per Funk übertragen. Dafür muss regelmäßig der Akku am Schaltwerk aufgeladen werden. Aus dem selben Haus stammt die SRAM Level Ultimate Bremsanlage, die mit 160 mm-Scheiben vorne und hinten ausgestattet ist. Gemeinsam ist den beiden neben dem Hersteller das Finish: Kassette, Kette und allerlei Schrauben schimmern in trendigem Oilslick-Finish. Die Regenbogenfarben schimmern ähnlich dem Rahmen, der sich in „carbon’n’prizmblack“ hüllt.



Das wirklich überzeugende Gewicht von 9,75 kg wird jedoch nicht allein durch den leichten Rahmen sowie die Anbauteile von Fox und SRAM erzielt. Einen maßgeblichen Anteil daran hat die Firma Newmen. Sie steuert nicht nur den federleichten Advanced SL X.A.25 Carbon-Laufradsatz bei, sondern liefert auch Lenker, Vorbau und Sattelstütze. Alle gehören jeweils zum leichtesten, das ohne Bedenken oder extrem enge Gewichtsbeschränkungen verbaut werden kann. Fehlen noch die Reifen. Hier springt Schwalbe ein. Am Vorderrad kommt der Racing Ray mit Addix Speedgrip-Mischung zum Einsatz, hinten arbeitet der Schwalbe Racing Ralph mit der härteren, aber leichter rollenden Addix Speed-Mischung. Alles, was dann zu einer kompletten Ausstattung fehlt, wird unter dem Label Cube montiert. Konkret sind das jedoch auch nur noch Sattel, Sattelklemme und die Griffe.
- Federgabel Fox 32 SC Float Factory FIT4 (100 mm)
- Dämpfer Fox Float DPS Factory Remote (100 mm)
- Antrieb SRAM XX1 Eagle AXS
- Bremsen SRAM Level Ultimate
- Laufräder Newmen Advanced SL X.A.25 Carbon
- Reifen Schwalbe Racing Ray / Racing Ralph
- Cockpit Newmen Advanced SL 318.0 Lenker (740 mm) / Newmen Evolution SL 318.2 Vorbau (80 mm)
- Sattelstütze Newmen Advanced SL Carbon
Rahmen | C:68 Monocoque Advanced Twin Mold Technology, ARG, ERC, FSP 4-Link, Boost 148, AXH |
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Gabel | Fox 32 SC Float Factory FIT4, 2-Position Remote, Tapered, 15x110mm, 100mm, Kashima Coated |
Dämpfer | Fox Float DPS Factory Remote, 165x38mm, 2-Position Remote, Kashima Coated |
Dämpfer Hardware | Front: 30x8mm, Rear: 30x8mm |
Bremse | Sram Level Ultimate Rainbow, Hydr. Disc Brake (160/160) |
Schaltwerk | Sram XX1 Eagle AXS™, 12-Speed |
Schalthebel | Sram Eagle AXS™ Controller |
Kurbel | Sram XX1 Eagle™ DUB, 32T, 175mm (170mm for size S) |
Kassete | Sram XG-1299 Rainbow, 10-52T |
Kette | Sram PC-XX1 Eagle™ Rainbow |
Laufradsatz | Newmen Advanced SL X.A.25 Carbon, 28/28 Spokes, 15x110mm / 12x148mm, Tubeless Ready |
Vorderreifen | Schwalbe Racing Ray, Super Race, Addix Speedgrip, Kevlar, 2.1 |
Hinterreifen | Schwalbe Racing Ralph, Super Race, Addix Speed, Kevlar, 2.1 |
Lenker | Newmen Advanced SL 318.0, Carbon, 740mm |
Vorbau | Newmen Evolution SL 318.2, 31.8mm |
Griffe | CUBE Race SL Grip 29.5mm, 1-Clamp |
Sattelstütze | Newmen Advanced SL, Carbon, 31.6mm |
Sattelklemme | CUBE Screwlock, 34.9mm |
Sattel | Natural Fit Nuance SLT Carbon |
Steuersatz | VP Integrated, Top 1 1/8", Bottom 1 1/2" |
Farbe | carbon´n´prizmblack |
Auf dem Trail
Der Testauftakt für das Cube AMS 100 C:68 SLT 29 findet im italienischen San Remo statt. Eigentlich wollten wir in die Berge der Côte d’Azure, wo Legenden unseres Sports wie Fabien Barel, Nico Vouilloz oder im Cross Country vor allem Pauline Ferrand-Prevot ihre Traum- und Home-Trails finden. Technisch anspruchsvolles, steiniges Terrain als Härtetest für ein konsequent auf Leichtbau getrimmtes Fully. Doch kurz bevor wir anreisen, wird die Region zum Risikogebiet. Also die Berge hinter San Remo. Hier wollte ich schon lange mal hin, warum nicht also jetzt? Danke, Corona.
Tatsächlich steige ich in San Remo das erste Mal wirklich auf das Cube AMS 100. Doch vor der Ausfahrt steht das Setup an. Gerade XC-Fahrwerke wollen gut abgestimmt sein: Ist der Federweg ohnehin schon knapp, sollte er bestmöglich genutzt werden. Nach einigen kurzen Runden rund um unser Ferienhaus und einigen kleinen Korrekturen habe ich mein initiales Setup gefunden.
Ohne Rucksack bringe ich fahrfertig gut 70 kg auf die Waage – und im XC fahre ich in der Regel ohne Rucksack. Um die 100 mm gut zu kontrollieren, fahre ich die Zugstufe relativ schnell. Bei den Volumenspacern halte ich mich zunächst an den von Haus aus verbauten Stand und nehme hier keine Änderungen vor. Die Zahlen lesen sich dann wie folgt:
Federgabel
- 82 PSI
- 9 Klicks Zugstufe von ganz offen
- 4 Klicks Low-Speed Druckstufe (open mode adjust)
Dämpfer
- 128 PSI
- 4 Klicks Zugstufe von ganz offen
Und dann geht es endlich los. Meine erste Runde ist klein, das Renngerät und ich wollen uns kennenlernen. Hinter unserem kleinen Ferienhaus liegt auf dem Bergrücken eine Kapelle. Von ihr aus soll ein Trail am Haus vorbei bis tief ins Tal gehen. Sagt zumindest Komoot. Also in die Pedale eingeklickt und losgekurbelt. Zunächst geht es flach das Tal entlang. Die Reifen fahre ich mit 1,6 Bar vorne und 1,8 Bar hinten. Das Ergebnis: Ich habe das Gefühl, auf einem Rennrad zu sitzen. Spielerisch nimmt das Cube Fahrt auf und die Sitzposition scheint mir auf Anhieb gut gelungen. Insbesondere die leichten Laufräder und gut rollenden Reifen machen hier den Unterschied. Vielleicht liegt es auch daran, dass ich zuvor viel auf dem Trail- und Enduro-Bike unterwegs war – der Vortrieb macht Laune!

Dann wird das Terrain steiler und steiler. Im Wechsel bin ich jetzt auf geteertem Flickenteppich und Schotter unterwegs. Hier heißt es aktiv Gewicht nach vorne bringen. Ich mache die mentale Notiz, etwas an den Spacern zu ändern. Schließlich ist der Stack vergleichsweise hoch – auch bedingt durch den steilen Lenkwinkel von 70°. Deutlich wirkungsvoller und sofort umsetzbar ist jedoch der Griff zur Lenkerfernbedienung. Für gewöhnlich ignoriere ich sie im Cross Country und störe mich am stark verkabelten Cockpit. Doch am AMS 100 ergibt sie Sinn. Mit nur einem Klick werden Gabel und Dämpfer starr blockiert, das Gewicht wird weiter nach vorne verlagert und das Rad klettert eine ganze Ecke besser. Sauber, so kann es gehen. Doch aufgepasst: Nur mit maximal tiefem Vorbau kann das Rad wirklich mit der Konkurrenz mithalten.
Nach gut 250 Höhenmetern wird der Trail flacher, aber verblockter. Das heißt: Dämpfung auf, vor allem aber Spaß rauf. Hier scheint das Cube in seinem Element zu sein. Das niedrige Gewicht kombiniert mit dem fast schon als komfortabel zu bezeichnenden Hinterbau ist eine Einladung dazu, richtig anzureißen. Schnell weisen die Puls-LED an meinem Wahoo Elemnt Bold auf den körpereigenen Grenzbereich hin, doch das macht Laune. An der Kapelle angekommen bleibt der Trail flach, jetzt aber bergab. Nach einigen Metern reift die Erkenntnis: das hier wird ein gutes Stück Arbeit.



Die Macchia hat die eigentlich breite Schneise erfolgreich zurückerobert und stellt sich mir stachelig-dornig entgegen. Grüße an Komoot. Hinzu kommen immer größer werdende Steine und Stufen. Ich senke den Sattel minimal ab – eine Variosattelstütze wäre jetzt praktisch, aber dann wäre das Rad ohne Pedale nicht mehr unter 10 kg … ich kann den Produktmanager verstehen – und mit gehörig Arbeit geht es voran. Nach einer gefühlten Ewigkeit wird der Trail endlich steiler. Ich bin nicht mehr alleine für den Vortrieb verantwortlich. Im Zusammenspiel mit der Schwerkraft geht es immer leichter. Im Vergleich zu vielen aktuellen Bikes mit vorwärtsorientierter Geometrie (flacher Lenk- und steiler Sitzwinkel) will das Cube deutlich mehr vom Heck her gefahren werden. Der stark arbeitende Hinterbau unterstreicht diesen Charakter, da die Gabel ein wenig entlastet werden kann. Achtet man auf eine entsprechende Position, ist die Balance insgesamt gut und erlaubt ein solides Tempo bergab. Insbesondere, solange der Trail nicht zu anspruchsvoll ist.
Doch wir sind hier in den See-Alpen. San Remo ist eher als Downhill-Revier bekannt und am nächsten Tag kann ich mir davon einen genaueren Eindruck verschaffen. Ein Local verrät mir dankenswerter Weise, welche der Trails freigeschnitten sind. Den Einstieg mache ich auf Tubo di San Lorenzo. Während der Blick aufs Meer verlockend ist, liegt Angst in meinem Blick. Vorsichtig schaue ich mich um, ob nicht doch ein schneller XC-Hengst beobachtet, wie ich den Sattel absenke. Ganz nach unten. Im anspruchsvollen Terrain bestätigt sich der Eindruck vom Vortag. Der Hinterbau weiß zu überzeugen, arbeitet sensibel und schluckfreudig. Die Gabel kommt da nicht ganz mit, doch sie ist es nicht, die das Limit definiert.

Das Ende des für mich mit diesem Rad auf diesem Trail machbaren wird in der Kombination aus steiler und entsprechend verspielter Geometrie, dünnen und leichten Reifen sowie der höchst durchschnittlichen SRAM Level Ultimate-Bremsanlage definiert. Hier kommen wir an den Punkt, an dem moderne XC-Geometrien die entscheidenden Grade flacher ausfallen. Das Problem: Reifen und Bremsen werden dadurch nicht verändert. Ich habe das Thema für mich noch nicht abschließend klären können. Klar würde ich mit besserer Unterstützung durch die Geometrie hier besser runterkommen. Doch es wäre immer noch eine stark Kompromiss-behaftete Fahrt im Vergleich zu einem 130 mm-Bike mit entsprechender Geometrie und eben vor allem dicken Reifen.
Wie richtig ich mit dieser Überlegung liege, erfahre ich nach Ende des Urlaubes auf den Hometrails rund um München, insbesondere aber in meiner alten Heimat, dem Bodensee-Raum. Hier sind die Berge flacher, die Trails weniger steinig. Und das Cube blüht auf. Insbesondere die Kombination aus Schwalbe Racing Ray und Racing Ralph kann in klassischem deutschen XC-Terrain voll überzeugen. Die schwache Bremse fällt hier mangels Bedarf nicht auf. Und die verspielte Geometrie macht bergab durchaus Laune. Bergauf hilft der Lockout und enge, kehrenreiche Uphills frisst das AMS 100 nur so auf. Insgesamt weiß der Vortrieb bei gutem Komfort zu überzeugen. So macht das Rad Spaß, hier fühlt es sich zu Hause!

Das ist uns aufgefallen
- Gewicht ist nicht alles … aber schon viel. Das leichtfüßige Gefühl, das sich unmittelbar einstellt, sobald man mit dem Cube AMS 100 C:68 SLT unterwegs ist, begeistert! Ganz unabhängig von der Geometrie oder dem Trail.
- Elektrisch heißt noch lange nicht perfekt Die SRAM XX1 Eagle AXS ist eine der am meisten besprochenen Schaltungen auf dem Markt. Doch am Testrad kann die Schaltung zunächst kaum überzeugen. Die Kette springt immer wieder, teilweise kracht sie im Uphill drei, vier Gänge nach unten. Ohne Klickpedale ist sowas im harten Antritt ein Sturz. Die Ursache: ein krummes Schaltauge. Da kann auch die teuerste Serienschaltung nichts dran ändern.
- Gute Griffe sind die halbe Miete – gerade im Cross Country Über schlechte Griffe muss ich mich zuletzt an vielen Test-Bikes ärgern. Sie mindern den Komfort und sorgen für schnellere Ermüdung der Hände. Wenn die Griffe am Cube AMS 100 wenigstens so leicht wären, wie sie hart waren … klar lassen sie sich schnell und günstig wechseln, doch warum nicht direkt vom Hersteller richtig?
- Akkus halten nicht ewig Ich gebe es zu: ich bin ein Verfechter des Mountainbikes als mechanisches System. Die Praxiserfahrung mit der Eagle AXS Schaltung war definitiv gut, doch einen echten Mehrwert kann die Schaltung gegenüber dem mechanischen Wettbewerb aus eigenem und fremden Haus nicht bieten. Dafür kommt der Bedarf für ein Ladegerät. Auch wenn man es nicht oft braucht … warum, wenn man es auch gar nicht brauchen kann?
- Das Cockpit macht den Unterschied Im Laufe des Tests habe ich viel mit den Spacern unterm Vorbau gearbeitet. 15 mm Stack machen einen echten Unterschied: über dem Vorbau montiert helfen sie enorm beim Klettervermögen – unter dem Vorbau montiert entspannen sie nicht nur die Sitzposition, sondern sorgen auch für mehr Kontrolle im Downhill. Je nach Terrain vor der Haustüre eine einfache, aber wirkungsvolle Anpassung!
- Dicke Waden und große Schuhe schleifen am Hinterbau Cube führt die Sitzstreben am Hinterbau des AMS 100 vergleichsweise breit und ohne S-Bend nach unten. Das führte bei meinen Enduro-Schuhen, die ich aus Temperaturgründen im Winter klar den leichten XC-Carbonkühlkörpern vorziehe, zu vermehrtem Fersenkontakt. Ein Freund, der zum Vergleich einige Runden mit dem Rad drehte, kam immer wieder mit den Waden in Kontakt. Wer große Füße hat (> 44) oder einfach ein Bär ist, sollte hierauf bei einer Testfahrt achten.


Fazit – Cube AMS 100 C:68 SLT 29
Das Cube AMS 100 C:68 SLT 29 geht in sein viertes Produktionsjahr, doch nicht nur die 2021er-Lackierung ist eine Ansage. Die von uns gefahrene SLT-Ausstattung setzt auf die feinsten und leichtesten Komponenten, die Geld kaufen kann. In unserem Test zeigt sich der 100 mm-Hinterbau für ein Rad dieser Kategorie erstaunlich komfortabel. Das sehr gute Gewicht von 9,75 kg sorgt in jeder Lebenslage für begeisternden Vortrieb und in der Tat geht es trotz kompakt-steiler Geometrie bergauf bei gesperrten Federelementen zügig voran. Bergab limitieren die Geometrie und am Ende auch die Ausstattung die mögliche Geschwindigkeit. Was schließen wir daraus? Das Rad ist nach wie vor ein schneller Vertreter für den Cross Country- und Marathon-Einsatz auf gemäßigten Strecken und muss sich nicht vor der Konkurrenz verstecken. Doch da sich die Geometrien weiterentwickelt haben bleibt am Ende der Eindruck: Es gibt aktuellere XC-Räder, die bergauf gleiches und bergab mehr zu leisten imstande sind. Ob einen das interessiert oder nicht ist abgesehen vom Preis eine sehr persönliche Frage. Insbesondere in einem Wettkampfformat, in dem letzten Endes immer die Beine entscheiden.

Pro / Contra
Stärken
- traktionsstarker, komfortabler Hinterbau
- sehr gutes Gewicht bei wettbewerbsfähigem Preis
- tolle Lackierung und stimmige Gesamterscheinung
Schwächen
- klassische XC-Geometrie begrenzt das Tempo bergab
- Detailschwächen in der Ausstattung (Bremsen, Griffe)

Testablauf
Das Cube AMS 100 C:68 SLT 29 Test-Bike wurde uns von Cube für die Dauer des Tests zur Verfügung gestellt. Wir haben das Rad Ende August übernommen und bis Dezember 2020 gefahren.
Hier haben wir das Cube AMS 100 SLT getestet
- München Flache, technisch einfache Trails und lange Schotterpisten
- Konstanz Hügelige Voralpenlandschaft mit mehr Wurzeln als Steinen und noch mehr feinen Trails
- San Remo Knackige Anstiege, knackigere Abfahrten: Steinig, verbockt und ruppig.
- Fahrstil
- Beide Räder am Boden und Vollgas: Attacke bergauf, sauber bergab
- Ich fahre hauptsächlich
- Trail, Enduro
- Vorlieben beim Fahrwerk
- Gabel straff, Hinterbau effizient
- Vorlieben bei der Geometrie
- Mittellang und flach
Moderne oder klassische XC-Geometrie: zu welchem Lager gehörst du?
83 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumUnd das grüne Scott Spark hatte mal grüne Reifen, die es im Laden nicht gab.
@robzo Richtig, es gibt das Rad mit 120 mm Gabel aber der Rahmen / Hinterbau bleiben identisch. Die geänderte Geometrie (flachere Winkel, kürzerer Reach) ergeben sich durch die Gabel.
@stefanolo und @Nismo99 Ja, das Rad war tubeless aufgebaut. Reifen sind 2.1er. Ich denke @MucPaul hat da schon die richtige Antwort gegeben, wenn Du die online nicht finden kannst.
@Neikirja Wenn dann noch die Geometrie und der Hinterbau mit ihren Stärken und Schwächen zu Deinem geplanten Einsatzbereich und Deinem Anspruch passen sowie der Geldbeutel stimmt ja.
@525Rainer Hehe, der Ausstattungs-Swap ist schon eine gute Idee. Allerdings würde ich definitiv noch die Bremsen tauschen und Kleinteile wie die Griffe. Der Remote-Hebel ist von Fox und nicht gut (im Video besser zu erkennen).
@Pixelsign Das Phänomen hatte ich noch nicht. Mir war der AXS-Schalthebel im ruppigen Gelände einfach zu leichtgängig und mit zu wenig Hebelweg zu betätigen. Fehlerhafte Bedienung ist in meinen Augen deutlich schwerwiegender, als eine nicht erfolgte Bedienung. Aber da schwingt mit Sicherheit auch einiges an persönlicher Präferenz mit.
@pib Das ist genau das Thema, das ich versucht habe, herauszuarbeiten. Das Rad funktioniert gut und ist definitiv nicht langsam. Aber der Wettbewerb hat sich weiterentwickelt und im Hinblick auf XC auch der Sport. Beim Marathon sehe ich eher weniger Veränderung und da rennt das Rad super.
Bzgl. der AXS-Diskussion: Ich bin da nah bei Dir, @Frostfalke . In meinen Augen ist sie nicht wirklich schneller, denn das Schaltvermögen einer jeden Kettenschaltung wird primär durch die Umlaufgeschwindigkeit der Kette definiert. Da Kette und Kassette im Vergleich zu einer XX1 Eagle identisch sind, bleibt lediglich die Aktuation. Die mag theoretisch präziser sein, der Aufbau des mechanischen Hebels führt aber zu einem minimalen "Überschalten" vor dem Einrasten, was definitiv dem Schaltvorgang hilft. Inwiefern das die Elektronik nachahmt weiß ich nicht.
Bleiben die von Dir erwähnten Schaltwege und -kräfte, @525Rainer Die sind bei einer mechanischen Schaltung systembedingt länger / höher aber in meinen Augen ist das ein Vorteil. Vor allem, wenn man mal mit kalten Fingern (wie jetzt im Winter) unterwegs ist.
Am Ende des Tages gelingt das Thema mehrere Gänge auf einmal schalten mechanisch genau so schnell, wie man drückt und eben tritt. Dazu kommt die Last im Antrieb, die die Schaltmöglichkeit definiert. Gripshift zeigt hier, dass man das Schaltwerk schneller bewegen kann, als die Kette nachkommt. Was mir am Testrad aufgefallen ist: Bei der AXS (sehr nervig, weiß nicht ob das der Standard ist) muss man erst die App installieren, bevor man überhaupt einstellen kann, dass bei dauerhaftem Druck mehrere Gänge geschaltet werden. Das ist wenig intuitiv.
@Veggieknödel Dazu ist mir nichts negativ aufgefallen. Kannst Du das bitte näher beschreiben / präzisieren, um was es da ging? (siehe auch Antwort von @matsch) Danke!
@MucPaul Spannend, das werde ich einmal ausprobieren.
Ich hatte das AMS 100 wegen dem guten Preis/Leistungs-Verhältnis auf meiner Liste und bin es Probe gefahren. Habe den Gedanken es zu kaufen dann aber ganz schnell wieder verworfen. Bin noch nie auf einem Mountainbike gesessen, dessen Rahmen so unglaublich viel flex hatte, bzw. sich so instabil angefühlt hat. Das war für mich das K.O.-Kriterium.
Bin mein ams sl jetzt einen Sommer gefahren und bin bin total zufrieden damit. Ein paar Veränderungen wie Lenker usw. und es fährt sich super. Über Eure Diskussionen über veraltete Geo und Flexibilität und keine elektronische Schaltung kann ich nur lachen. Hatte noch nie einen müden Daumen. Ist halt ein CC Bike und kein Enduro. Und wer 0.5 Grad Lenkwinkel Stellung merkt hat meine Hochachtung. Manche sollten sich mehr aufs Biken konzentrieren und nicht nur auf Werbung.
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