Bike der Woche
Eigenbau-Carbonrahmen: RobertS, Onkel_Bob
MTB-News.de: Hallo Onkel_Bob, dein Bike hat sich vor lauter Likes kaum retten können und es direkt unter die beliebtesten Fotos der Woche im Fotoalbum geschafft. Wie ist es zu deinem Bike gekommen, das wir heute als Bike der Woche vorstellen?
Das ist eine längere Geschichte und sie beginnt mit einem Crash im letzten Herbst – Schlüsselbein gebrochen und es hat 7 Monate gedauert, bis ich wieder biken konnte. Das war schon hart und um mich bei Laune zu halten, habe ich dieses Bike entwickelt. Eine Dokumentation der ganzen Entwicklung gibt es hier im Forum. Die Dokumentation hat ja schon Wellen geschlagen, das hätte ich so nicht erwartet. An dieser Stelle nochmal vielen Dank an alle für das viele positive Feedback.

Worauf hast du beim Aufbau deines Bikes besonders geachtet?
Wenn ich schon den Aufwand treibe und vom leeren Blatt weg so ein Bike baue, dann sollte es etwas Besonderes werden. Deswegen habe ich ein paar Duftmarken gesetzt. Die Reifenkombination springt natürlich sofort ins Auge. Bisher hatte ich mich der Laufraddiskussion entzogen – weder 29“ noch 27,5“ hatte mich so wirklich überzeugt. Aber bei B+ war es um mich geschehen, zumindest am Vorderrad. Hinten war mir das zu groß, zu wenig Bewegungsspielraum für wirklich steile Passagen. Das Ergebnis sieht man ja auf den Bildern: hinten 24++.
Dann noch die Geschichte mit der Kinematik. Ich wollte unbedingt einen hohen Drehpunkt, um eine bessere Raderhebungskurve am Hinterrad zu haben. Damit bin ich nicht alleine, in den „Bikes der Woche“ findet sich ein halbes Dutzend Bikes mit hohem Drehpunkt. Die Rahmenhöhe ist auch speziell – speziell niedrig. Bei einem gekauften Bike würde ich eine Rahmenhöhe so um die 480 mm fahren. Hier sind es 370 mm. Die lange 170 mm-Reverb macht den Rest und hat dabei sogar noch Reserve.
Bei der Ausstattung habe ich erst auf die Funktion, dann auf das Gewicht geachtet. Funktion heißt hier: viel Spaß bergab. Mit dem DoubleBarrel Air und der neuen Lyrik ist für genug Federweg gesorgt und die Magura MT7 in Verbindung mit den 200 mm Clarks-Scheiben liefern unter allen Bedingungen genügend Bremsleistung.

Wie geht es mit deinem Bike weiter?
Ich habe lange genug gebaut und das Schlüsselbein funktioniert auch wieder – jetzt will ich nur noch fahren. Im Forum wurde mehrfach gefragt, ob es eine Kleinserie gibt. Da muss ich euch leider enttäuschen. Für so eine Fertigung sind in Deutschland die Reibungsverluste viel zu groß, das rechnet sich nicht. Aber seht das positiv: wenn ich mein Geld damit verdienen müsste, könnte ich nicht so offen über die Entwicklung und die Fertigung berichten!
Welchen Einsatzbereich hat das Bike?
Eigentlich alles, von Touren bis Bikepark. Es ist für mich noch leicht genug, um vernünftig bergauf bewegt zu werden und durch den Federweg und die breiten Reifen macht es bergab richtig Spaß.
Was wiegt das Bike?
14,2 kg (inkl. Pedale)
Was ist dein persönliches Highlight an deinem Bike der Woche?
Dass es passt wie ein Handschuh. Ehrlich: selbst wenn ich das Rad zurückdrehen könnte und die Formen noch nicht gefräst wären – die Geometrie würde genau so bleiben. Reach, Lenkwinkel, Tretlagerhöhe – passt alles.

Wie bist du zum Mountainbiken gekommen?
Fahrradverrückt war ich schon immer. Während der Schulzeit und später neben dem Studium habe ich immer im Fahrradladen gejobbt. Und das verdiente Geld gleich wieder für Bikes und Tuning-Teile ausgegeben. Auch der Selbstbaufimmel war schon immer da. Den ersten Stahlrahmen habe ich im 3. Semester gelötet. Das Bike habe ich noch, es hängt aber nur noch zu Dekorationszwecken in der Garage.
Heute ist Mountainbiken für mich das genialste Hobby überhaupt, denn es verbindet viele schöne Dinge: mit der Freundin die Natur und die Action genießen, abseits der Zivilisation den Alltag vergessen, technische Spielereien, GPS, Fotos, Videos … die Bandbreite kann mir kein anderes Hobby bieten.
Mountainbiken als Lifestyle / die Industrie – deine Sicht.
Hier darf über die vielen neuen Standards gelästert werden – ha ha! Nein im Ernst, ich denke, ich mache das so wie die meisten. Ich lese mir die Testberichte durch und versuche für mich herauszufinden, ob es wirklich etwas bringt. Ich hatte bei meinem Bike den großen Vorteil, dass ich alles so kombinieren konnte, wie es mir gefällt.
Die 1×12 Eagle finde ich fantastisch, die beste Schaltung, die ich je hatte. Boost, naja. Vorne sinnvoll, hinten ist mir der Fortschritt zu gering. Da habe ich gleich den altbewährten Downhill-Standard verwendet, denn dort sind die Speichenwinkel nochmal deutlich flacher. Die neue Reverb mit 170 mm ist super und wenn sie wirklich keine Luft mehr zieht, ist es ein sehr gutes Produkt. Aber: die 34,9 mm-Variante wiegt fast 800 g – RockShox schämt euch! Wenn bei sonst gleichen Bedingungen mehr Bauraum zur Verfügung steht, muss es leichter werden und nicht schwerer. Da steckt ein Gewichtspotential von mindestens 200 g.

Du und die Internet Bike Community – Wann und wie bist du zu uns gekommen und was verbindest du mit dem IBC?
Als ich mit der Entwicklung begonnen habe, war mir das Forum eine große Hilfe, denn es gab unzählige Details zu klären. Allerdings muss ich gestehen, dass ich in der Zeit nur passiv unterwegs war. Als mein Bike fertig war, habe ich mich aus der Deckung gewagt und habe die Dokumentation online gestellt. Seitdem bin ich „richtig“ dabei.
Technische Daten: Eigenbau-Carbonrahmen / RobertS / 2016
Rahmen: Carbonrahmen, Eigenbau
Gabel: Rock Shox Lyrik 27,5 Boost, Federweg 180mm
Dämpfer: Cane Creek Double Barrel Air 200×57, Federweg 200mm
Steuersatz: Acros
Bremsen: Magura MT7 2016 mit Clarks Bremsscheiben 200 mm
Vorbau: Sixpack 35 mm
Lenker: Sixpack Millenium785 Carbon 35 mm
Griffe: Sixpack
Felgen: Vorn: DT Swiss XM 481 – 27.5″ Hinten: Trial-Felge 24″ Inspired 39 mm
Naben: Vorn: SRAM X0 BOOST – 15x110mm Hinten: SRAM X0 DH 150 mm
Reifen: Schwalbe Nobby Nick, 27,5*2,8, Trailstar / Specialized Ground Control Fat Fatbike 24 x 4.00
Kurbel + Innenlager: SRAM X01 DH 165 mm, Truvativ PF46
Kettenblatt / Kettenblätter: SRAM X-Sync Direct Mount, 28Z
Kettenführung / Umwerfer: ./.
Schalthebel: SRAM Eagle X0
Schaltwerk: SRAM Eagle X0
Pedale: Sixpack Millenium MG-TI
Kette: SRAM Eagle PC1290
Kassette: SRAM Eagle Kassette 12-fach, schwarz
Sattel: PRO Turnix Carbon Sattel – schwarz
Sattelstütze: RockShox Reverb Stealth Connectamajig 170 mm 34,9 mm
Sattelklemme: keine


Über das Bike der Woche
Ihr habt auch ein Bike, das sich bestens in die ehrenhafte Riege der „Bikes der Woche“ einfügen kann? Dann lest euch die Regeln für folgendes Album durch und ladet ein Bild in selbiges hoch. Viel Erfolg! Die Regeln: So wird dein Bike „Bike der Woche powered by bike-components“
Das Album findet ihr hier: mtb-news.de/s/55943.
Die 20 letzten Bikes der Woche findet ihr hier:
Alle Bikes der Woche? Hier klicken!
122 Kommentare
» Alle Kommentare im ForumOh ja Onkel Bob, scheint heut fast als Blasphemie, aber genau zu dem Ergebniss kommen auch meine Experimente. Schön.
Ist das mit Deiner Bremsleitung vorn gewollt, daß sie außen lang läuft? Grüß Dich
Hi Uschi,
danke für den Hinweis mit der Bremsleitung - ist mir ehrlich gesagt noch gar nicht aufgefallen 😳
Ja, 26Plus rockt
Wie sehen Deine Experimente aus - hast Du einen 26er oder einen 27,5er Rahmen? Der Außendurchmesser von 26Plus ist ja doch näher am 26er und bei einem 27,5er Rahmen könnte das Tretlager zu tief kommen.
Viele Grüße
Onkel Bob
Hey Rob., da ich ja eine Werkstatt hab, und viele MTBler als Kunden komme ich immer wieder in den "Genus" aktuelle Modelle zu fahren. Und bis heut ist mir noch nicht der Sinn danach an der Radgröße etwas zu ändern. Zumal ich ehrlich gesagt der Meinung bin, daß die Laufraddiskussion nicht zwingend aufkam um das Fahrverhalten zu revolutionieren, sondern eher um die wirtschaftliche Wachstumskurve nach oben zu zwingen.
Das wiederum ermöglichen ja dann erst die Konsumenten, denen man nahezu alles hiwerfen kann, und sie fressen es!!!!!!!!!!!
Realistisch gesehen ist das wie das Bezwingen eines Trails, nicht nur das Bike sondern vor allem die Skills der Fahrer müssen optimiert werden um Risiko zu minimieren und den Fahrspaß zu maximieren.
Nur aus Sicht der User heist das wiederrum trainieren zu müssen und nicht einfach Geld auszugeben um das Gefühl zu bekommen besser zu fahren weil das die Tests ja so sagen... kurzum blinde Fortschrittgläubigkeit.
Ich selbst habe mir z.B. verboten in den Bikepark zu fahren bevor ich nicht wieder die entsprechende Fitness und das Gewicht erreicht hab.
Gut will Dich nicht mit meinem Statement langweilen. Ich bewundere Deine Art und Weise wie Du Deinen Stein der Weisen suchst und was Du für Arbeit da rein steckst seit dem ersten Treffen in der Heide, Du noch auf 20". Dein letzer Spross sieht auch noch echt gut aus.
Ach ja die Leitung alles cool, ist mir auch schon passiert😳.
Also egal was auf Deinen Reifen steht, Hauptsache sie drehen sich und Du sitzt gesund oben drüber immer den nächsten Ritt im Visier!!!
Dickes Peace und bis bald.
Weise Worte
Ich weiß schon, dass ich etwas mehr Aufwand für ein neues Bike betreibe als der Durchschnitt. Aber das Verhältnis Bauen:Biken ist letzten Endes 1:10, das passt schon. Für mich ist das vernünftig. Soll ich in der Zeit Geld verdienen und einen Großteil dem Finanzamt schenken? Vergiss es. Ein kluger Mann hat mal gesagt: "Wenn du halb so viel arbeitest, hast du immer noch drei Viertel vom Geld" - das warst du, als wir uns das erste mal getroffen haben. Und da die Steuerreform 2018 eine Lachnummer ist, habe ich die nächste Auszeit schon geplant (wie nennt man das dann - Sab-bike-ical ?)
In diesem Sinne: keep rubber side down
https://www.mtb-news.de/forum/t/5-f...pit-das-aufgeraeumteste-bike-der-welt.889289/
Bitte schöööön
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