Am vergangenen Wochenende ging es in die zweite Runde unseres 29″ vs 27,5″ Downhill-Tests. Der iXS EDC #4 im tschechischen Spicak bot die perfekten Testbedingungen und war zudem der absolute Gegenpol zur Highspeed-Autobahn des Auftakts in Bozi Dar. Viele enge Kurven, verblockte Steinfelder und große Gaps stellten das Material und vor allem den Fahrer vor eine große Aufgabe. Können 29″-Bikes auch bei langsameren Geschwindigkeiten funktionieren? Wir haben es ausprobiert.
Dieses Jahr werde ich wie gewohnt an einigen Rennen des iXS Downhill Cups teilnehmen und von meinen Erfahrungen berichten. Neu ist allerdings, dass Cube mir zwei identisch aufgebaute Versionen des Two15-Downhillbikes zur Verfügungen gestellt hat: eine in 29″, die andere in 27,5″. Während der Rennen werde ich beide Räder gegeneinander fahren und versuchen herauszufinden, welches Rad auf welcher Strecke die Nase vorne hat. Alle Details zum Test erfahrt ihr im Auftakt-Artikel zum iXS Downhill Cup am Klinovec – einer der schnellsten mir bekannten Downhill-Strecken. Spicak hingegen hat zwar auch schnelle und teils extrem ruppige Segmente. Gewonnen wird das Rennen jedoch vermutlich im oberen, sehr engen und verblockten Streckenabschnitt. Die Gegensätze zwischen zwei Strecken könnten kaum größer sein – ideale Testbedingungen für unseren Downhill-Laufradgrößen-Vergleich also!
Freitag
Obwohl Spicak nicht wirklich mein präferiertes Terrain ist, gehört das Rennen definitiv zu meinen Highlights im iXS Cup. Das Fahrerlager ist zwar leider immer etwas eng und vollgepackt, nimmt man jedoch eine etwas längere Anfahrt zum Lift in Kauf, hat man auf dem etwas weiter entfernt liegenden Parkplatz immer seine Ruhe – und schnellen Zugang zum ziemlich kalten, aber erfrischenden Bergbach. Dazu kommt noch der beste Burger der Welt, den man nur 60 m von unserem Camp entfernt genießen kann. Allein dieser ist schon die zirka 400 km Anreise nach Spicak wert, die der allerallerallerbeste Bus der Welt am Donnerstagabend wie gewohnt völlig problemlos und sorgenfrei zurücklegte. So ging es ziemlich ausgeschlafen und entspannt zum staubigen Trackwalk am Freitagvormittag. Ausschlafen war allerdings auch angesagt, denn meine Vorbereitung bestand leider aus 2 Wochen World Cup-Hektik mit meinem Lieblings-Kollegen Moritz – leider jedoch auch viel Stress, kaum Schlaf und eher unregelmäßiger Ernährung.
Die Strecke präsentierte sich dann im Vergleich zum Vorjahr so ziemlich unverändert. Vom Start weg geht es sofort in die Steine hinein, gefolgt von einem amtlichen Step-Down. Nach einigen schnellen Kurven, inklusive Überquerung einer Skiwiese, startet der bestimmende, enge Streckenabschnitt. Hier gilt es nicht nur relativ fehlerfrei zu bleiben, sondern auch den Lenker gut festzuhalten, denn die Streckenoberfläche besteht aus gnadenlosen, Felgen-zerdellenden Felsen und Steinen. Zum Schluss wird es wieder etwas offener und schneller, jedoch nicht weniger ruppig. Die letzten Kräfte kann man dann an der Raketen-Abschussrampe von Zielsprung rauslassen, die mangels Landung auch das progressivste Fahrwerk auf Block zwingt. Da die 6 Stunden Training am Freitag alleine schon reichen würden, meine kargen Kraftreserven aufzuzählen, ging es erst gegen 14 Uhr leicht verspätet auf die Strecke. Nach langer Überlegung sollte das Cube Two15 29″ zunächst mein Arbeitsgerät der Wahl werden. Im Vorhinein war ich mir aufgrund der vielen engen Kurven relativ sicher, damit in Spicak keinen großen Vorteil zu haben – gespannt war ich jedoch allemal, sodass ich beschloss, es zunächst damit zu probieren.
Hier die Streckenvorstellung mit Markus Hillmann und Masters-Sieger Frank Hedwig:
Streckenvorstellung iXS EDC Spicak mit Hilli und Hede von Freesoul – Mehr Mountainbike-Videos
Obwohl ich die Strecke total mag, hatte ich bereits letztes Jahr Probleme, mich an den etwas ungewöhnlichen Charakter zu gewöhnen. Dieses Jahr war ich noch um einiges unfitter – meine Trainingseinheiten in Bozi Dar und die gute Fitness nach der Trans Madeira waren durch den World Cup-Stress der vergangenen Wochen komplett verpufft. Dennoch lief es zunächst nicht so verkehrt. Das 29″-Bike fuhr sich etwas behäbig, kam jedoch mit Ausholen rund durch alle Kurven und blieb in den schnellen, ruppigen Sektionen gewohnt ruhig. Die größeren Gaps und schweren Linien hatte ich noch gut vom Vorjahr drin, sodass dies alles kein größeres Problem darstellte. Auch nach fünf Runs kam ich jedoch nicht wirklich über ein solides Grundtempo hinaus und wurde darüber hinaus von Müdigkeit und ziemlichen Schmerzen in den Händen geplagt.
Samstag
Auch wenn ich bereits nach der Hälfte des Freitags-Trainings ahnte, dass meine Fitness keinen Vollgas-Rennlauf zulassen würde, wollte ich das Wochenende nutzen, um solide Testeindrücke zu sammeln. Dementsprechend ging es Samstagmorgen in aller Frühe auf dem 650b Cube Two15-Testbike auf die Strecke. Diese war nach wie vor extrem trocken und staubig – mittlerweile meldeten jedoch beinahe alle Wettervorhersagen Regen für den kommenden Finaltag an. Bei der Anzahl an steinigen Kurven war das für viele Teilnehmer sicherlich keine rosige Aussicht. Die ersten Meter auf den kleineren Laufrädern waren sehr vielversprechend. In den ersten engen Kurven ließ sich das Rad spürbar leichter umlegen und es folgte jedem Lenkimpuls sehr leichtgängig. Das Bild drehte sich jedoch am ersten Steinfeld bereits um. Hier präsentierte sich das 27,5er-Bike eher nervös und gab einige Schläge mehr an meine ohnehin schon geschundenen Hände weiter.
Zudem hatte ich das Gefühl, dass der etwas linearere Hinterbau trotz mit Volumenspacern gefüttertem Fox X2-Luftdämpfer etwas versackt und Probleme hat, dem Untergrund zu folgen. Durch den anwesenden Öhlins-Support bot sich mir die Möglichkeit, einen Öhlins TTX 22-Stahlfederdämpfer zu testen. Mit einer eher straffen Feder und dem mittleren Dämpfungs-Setup zeigte sich dieser progressiver, als ich es gedacht hätte, und rauschte nicht wie erwartet durch den Federweg. Zudem konnte das Hinterrad dem Untergrund somit deutlich besser folgen – lediglich bei schnell aufeinanderfolgenden Schlägen konnte ich in den Knöcheln deutlich spüren, dass der Dämpfer den Elastomer-Endanschlag erreicht hatte. Ein metallisches Durchschlagen fand jedoch nie statt. Da ich jedoch auch nach einem Großteil der zur Verfügung stehenden Trainingszeit immer noch große Probleme hatte, alle Linien sauber zu treffen, beschloss ich für den Rest des Wochenendes auf das 29″-Bike zu wechseln. Zugegeben, hier spielt sicherlich die Gewöhnung eine große Rolle. Ich bin mir sicher: ohne den ständigen Wechsel zwischen den Bikes und mit etwas mehr Zeit wäre es mir möglich, auch auf dem 650b-Bike einen zügigen und sauberen Lauf hinzulegen. Dennoch ist es schon erstaunlich, dass das 29er auch auf einer so verblockten und engen Strecke letztendlich kraftsparender und leichter zu fahren war.
Normalerweise stelle ich immer sicher, im Training mindestens eine Fahrt am Stück zu machen, um im Seeding besser einschätzen zu können, wie ich an welcher Stelle pushen kann. Dieses Wochenende sollte das Seeding jedoch mein erster durchgehender Lauf werden. Durch den vielen Wechsel zwischen den Bikes und den kurzen Dämpfer-Test hatte ich viel mehr Trainingsabfahrten gemacht als geplant. Auch ein Zwischenstopp im eiskalten Bergbach und der beste Burger der Welt als Vorbereitung konnten den Körper nur unwesentlich regenerieren. Etwas über meinen Fitnesszustand verärgert ging es für mich deshalb zirka 30 min vor dem Rennlauf nach oben – in Spicak sollte man nie zu knapp los, der Lift ist nämlich wirklich sehr langsam und stoppt zwischendurch gerne einmal. Ich beschloss, einfach einen schnellen Lauf zu starten und zu gucken, wie es mir weiter unten so ergehen würde. Bereits ab der Zwischenzeit erging es mir dann erwartungsgemäß schlecht und ich hatte ziemlich Mühe, mich am Rad festzuhalten. Nach einem groben Schnitzer im Steinfeld folgte ein noch gröberer Schnitzer auf einer der letzten Sektionen, der mich ins Gebüsch schickte und so blöd zwischen zwei Bäumen einklemmte, dass ich sicher 10–15 Sekunden benötigte, um aus meinen Klickpedalen herauszukommen – das alles jedoch im Stehen, ohne Hinzufallen. Dazu noch brüllende tschechische Fans, die sich vermutlich dachten, “warum steht der Idiot da einfach so gelangweilt rum, will der eigentlich nicht mal weiterfahren?” Mit reichlich Verspätung kam ich dann ins Ziel und lag natürlich so weit hinten, dass ich nicht wie erhofft im sonntäglichen Top 80-Training würde starten können, sondern wieder früh aus dem Bett musste, um die reguläre Trainingszeit zu nutzen.
Sonntag
Nachdem das Rennen bisher von Rekord-mäßiger Trockenheit geprägt war, hatte es bereits während des Seeding-Laufs der Top-Fahrer einige unwesentliche Tröpfchen geregnet. Während wir den Samstag Abend jedoch in der nahegelegenen Pizzeria ausklingen ließen, wurde aus einigen Tröpfchen schnell ein ordentlicher Regen, der auch bis zum nächsten Morgen keine Sekunde aufhören sollte. Immer wieder wurde ich nachts wach, hörte es auf das Autodach prasseln und dachte mir vollster Überzeugung: Wenn der Wecker klingelt ist sicher die Sonne wieder draußen! Sie war es nicht! Stattdessen hieß es bei strömendem Regen ziemlich lustlos das Frühstück in sich hineinzuschaufeln und mit Regenjacke und Tear-Offs ausgerüstet zum trüben morgendlichen Training rollen. Die Strecke in Spicak ist nicht ganz unpassend “Struggle” benannt, denn es gibt kaum einen Quadratzentimeter Boden, der nicht mit glatten Steinen oder Wurzeln bedeckt ist. Während mir im offenen Lift noch bei mieser Stimmung 20 Minuten lang der Regen auf den Helm trommelte, kehrte sich die Sache entgegen meiner Erwartung auf der Strecke komplett um. Es war rutschig – sehr rutschig! Dennoch gab es fast überall Ruts, die einem den nötigen Gegenhalt in Kurven verschafften. Die erste Fahrt lief richtig gut und auch die Hände wollten diesmal mitspielen. Vielleicht lief es etwas zu gut, denn im unteren Teil krachte ich etwas übermotiviert in eine lose Wurzelkurve und legte den Frontflip meines Lebens hin. Merkwürdigerweise passierte bis auf einen etwas blauen Ellenbogen und einer leichten Reizung meines ohnehin schon kaputten rechten Daumens nichts, sodass es immer noch mit Dauergrinsen im Gesicht zurück zum Auto ging, um schnell die schlammigen Handschuhe zu wechseln, bevor ich in den nächsten Trainingslauf startete.
Am Vortag hatte ich mit dem Öhlins-Support ausgemacht, dass ich den Stahldämpfer auch mal im Cube Two15 29″ für ein paar Fahrten testen würde. Da ich hier dank des progressiveren und spürbar strafferen Hinterbaus von vornherein weniger Probleme mit dem Luftdämpfer hatte, fiel der Unterschied nicht ganz so krass aus. Während der mit Volumenspacern vollgestopfte Luftdämpfer zwar nicht butterweich am Boden klebte, jedoch auch bei großen Schlägen sehr kontrolliert blieb, gab der Stahldämpfer auf der rasch abtrocknenden und mit fiesen Löchern übersäten Strecke eher mal einen großen Schlag an die Knöchel weiter. Dafür lag auch das 29er etwas satter auf der Strecke. Satt aufliegen war auch angesagt, denn diese wurde bei aussetzendem Regen und steigenden Temperaturen immer zäher und anstrengender. Bis zum Rennlauf waren einige Sektionen bereits fast komplett abgetrocknet, insbesondere die unzähligen Steinfelder jedoch mit einer seifenartigen Matsch-Schicht überdeckt. Trotz meines katastrophalen Seeding-Laufs wollte ich meine Taktik nicht wirklich ändern, sondern wieder einfach vollgas loslegen und dann gucken, wie ich so durchkommen würde. Das funktionierte auch relativ gut, bis ich in der berühmten Geländerkurve vor der kleinen Tableline (im Inneren der Kurve wurde aus irgendeinem Grund ein niedriges Geländer gebaut) aus der Strecke und in den Fangzaun rutschte – bei weitem nicht als einziger, wie ich nachher erfuhr. Dennoch sind zwei bescheuerte Patzer in zwei Rennläufen keine grandiose Bilanz. Wieder dauerte es ewig, bis das Pedal aus dem Fangzaun befreit war. Der restliche Lauf war zwar ganz ok, aber ich musste mich erwartungsgemäß mit einer hinteren Position zufriedengeben.
Fazit
Können 29″-Laufräder nur geradeaus rollen? Auf keinen Fall! Die “Struggle”-Strecke in Spicak ist die engste mir bekannte DH-Strecke, konnte das CubeTwo15 29 jedoch nicht wirklich aus der Ruhe bringen. Leider lief das Wochenende so gar nicht nach meinen Wünschen – dennoch haben die Organisatoren wieder ein super Rennen auf die Beine gestellt, das dank wechselhafter Wetterbedingungen bis zu Schluss nicht langweilig wurde. Auch für den 29″ vs 27,5″ Downhillbike-Test war das Wochenende äußerst interessant. Das 29″-Bike benötigt zwar etwas mehr Druck und eine saubere Linie in engen Kurven, ermöglicht dies durch seine ruhigere Fahrweise jedoch auch problemlos. Der nächste Test wird in wenigen Tagen mein Heimrennen im wunderschönen Ilmenau – hier stellt sich für mich keine Frage, welches Rad mir besser gefallen wird …
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